Kevin Spacey: Der übliche Verlässliche
Es gibt Menschen, vorwiegend handelt es sich um Frauen, denen ist dieser Kevin Spacey derart zuwider, dass sie schon bei der Nennung seines Namens das Gesicht verziehen. Das mag keine repräsentative Mehrheit sein. Doch ein größeres Kompliment kann es für einen Darsteller, der auf Psychokiller, korrupte Polizisten und Menschen in eigenartigen Lebenskrisen spezialisiert ist, kaum geben. "Es wäre Unsinn gewesen, meinen Namen schon im Vorspann zu nennen", erkannte Spacey einst weise zum Kinostart des Fincher-Meisterwerks "Sieben" (1995): "Dann hätte doch jeder gewusst, dass ich der Mörder bin." Am 26. Juli feiert dieser ebenso eigenwillige wie über die Maßen begabte Hollywoodspätstarter seinen 50. Geburtstag.
"Ich habe eine regelrechte Abneigung gegen das Wort 'Berühmtheit", hat Kevin Spacey einmal kundgetan. Wenn das so ist, dann muss ihm 1995 wie ein Seuchenjahr vorgekommen sein. Innerhalb weniger Monate

brillierte der damals noch wenig bekannte Darsteller in Finchers abgrundtiefer Mordgeschichte "Sieben" und in Bryan Singers faszinierendem Gangsterrätsel "Die üblichen Verdächtigen". Beide Filme wurden verdientermaßen Kassenschlager, und beide profitierten sehr von der subtilen Aura ihres fesselnden Bösewichts. Vor allem die Rolle des hinkenden Zeugen Roger "Verbal" Kint in "Die üblichen Verdächtigen" zementierte Spaceys Ruhm als Ausnahmetalent auf Jahre und brachte ihm seine erste wichtige Auszeichnung ein: den Oscar als bester Nebendarsteller.
"Ich bin ein relativ hässlicher Charakterdarsteller, der in seinen Filmen verdammt gut war", blickte Spacey vor nicht allzu langer Zeit auf seine prägenden Hollywoodjahre zurück. Nimmt man etwa Curtis Hansons großes Gangsterepos "L.A. Confident

ial" aus dem Jahr 1997, dann kann man zumindest der zweiten Hälfte dieser trockenen Selbstdiagnose nur beipflichten. Russell Crowe, David Strathairn und Guy Pearce drücken der ensembleartigen Genreübung ihren Stempel auf. Doch Spaceys korrupter, pressegeiler Detective Vincennes überstrahlt sie alle ein wenig.
"L.A. Confidential" zählt nicht nur zu Spaceys besten Filmen, hier bekleidet er auch seine typischste Rolle: Der Schauspieler spielt (ähnlich wie in "Die üblichen Verdächtigen") gewissermaßen einen Schauspieler, einen, der anderen etwas vormacht, ein einziges großes Rätsel. Und dieses Rätsel bleibt er bis heute für die Öffentlichkeit. "Das ist keine Geheimniskrämerei, um mich interessanter zu machen", sagt er über die kaum stattfindende Kommunikation seiner Privatsphäre: "Je wenige

r die Zuschauer über mich wissen, umso einfacher kann ich sie von meiner Rolle überzeugen. Umso leichter glauben sie, dass der Typ auf der Leinwand echt ist."
Die paar Statements, die der verschlossene Star über sein Privates verlauten ließ, beschränken sich zum einen auf das Dementi, er sei keinesfalls wie kolportiert homosexuell, und zum anderen auf seine Jugendjahre. Kevin Spacey Fowler, so sein vollständiger Geburtsname, kam in New Jersey zu Welt und wuchs in Kalifornien auf. "Bis ich 14 war, zog meine Familie mindestens zwölfmal um." Der Vater war oft arbeitslos, der Sohn, ein Energiebündel, kaum zu bändigen. Als er das Baumhaus seiner Schwester abfackelte, steckten ihn die Eltern in eine Militärschule, von der er jedoch umgehend flog
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