Kate Walsh: Souveränes aus der Beletage
"Ich musste in meiner Laufbahn noch keine einzige medizinische Frage beantworten. Es wäre auch etwas verstörend, wenn ich das könnte." Kate Walsh, das muss man auch einmal sagen, hat einen ganz schön guten Humor. Einen, der sich meistens von hinten anschleicht und dann plötzlich im Raum steht. In ihrer Serie "Private Practice" (mittwochs, 21.15 Uhr), einem Spin-off aus "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" (mittwochs, 20.15 Uhr), einer der erfolgreichsten Krankenhausserien des Jahrzehnts, kann sie damit natürlich nur dosiert arbeiten - erst recht, wenn beide Serien in einer Folge aufeinandertreffen. In einem Gastauftritt bei "Grey's Anatomy", den ProSieben in bewährtem Privat-TV-Sprech als "Crossover-Event" bezeichnet, kehrt Addison jetzt nämlich zurück nach Seattle, zurück an ihre alte Wirkungsstätte - am Mittwoch, 8. Juli, 20.15 Uhr, ist Drama vorprogrammiert.
Für Kate Walsh persönlich lagen die Dinge natürlich anders. Für die 41-Jährige war der Besuch in der alten Serie ein Besuch in der Vergangenheit, ein einige Tage andauerndes Wieder-Zuhause-Gefühl und

ein Genuss, der sich nicht zuletzt daraus speiste, dass all die emotionalen Stolpersteine, die sie während der ersten zwei Staffeln "Grey's Anatomy" oft genug aus dem Gleichgewicht brachten, weggeräumt wurden. In der Sonderfolge, in der sie und einige "Private Practice"-Kollegen aus Los Angeles nach Seattle reisen, geht es nicht um irgendwelche sexuellen Verwirrungen oder emotionale Schieflagen, sondern um Leben und Tod. "Beide Besetzungen hatten eine wahnsinnig gute Zeit", erzählt sie. Alleine die Tatsache, wieder mit Patrick Dempsey vor der Kamera stehen zu können, war wunderbar."
Die Freude über diese Spannungsfreiheit kann man verstehen - immerhin war in zwei Staffeln "Grey's Anatomy" die Beziehung zwischen Dr. Derek Christopher Shepherd und Dr. Addison Forbes Montgomery immer komplizie

rt. Vielleicht kann man sogar weiter gehen und sagen, dass alles, was mit Dr. Addison Forbes zu tun hatte, kompliziert war. Das lag natürlich im Konstrukt der Rolle, die eigentlich nur fünf Folgen lang Teil des Casts sein sollte, sich aber dann erstaunlich lange hielt. Irgendwann war dennoch Schluss: "Eines Tages rief mich die Produzentin in ihr Büro und teilte mir mit, dass sie Addison aus der Serie nehmen müssten. Sie sagte mir: 'Ihre Ehe hat nicht funktioniert, sie hat mit ein paar Ärzten vom Krankenhaus geschlafen - es gibt einfach nichts mehr zu erzählen.' Und ich wusste, dass sie damit Recht hatte."
Was folgte, war das Angebot eines Spin-offs mit Addison als Dreh- und Angelpunkt eines anspruchsvoll gecasteten Praxisgemeinschaft-Ensembles - und die Erkenntnis, dass in der Ärztin eine

ganze Menge mehr steckt. Die Entwicklung der Rolle, die Kate Walsh mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, ist dabei nach zwei Staffeln längst noch nicht abgeschlossen: "Ich hatte neulich ein offizielles Mittagessen mit den Drehbuchautoren und dachte, ich würde da zumindest ein bisschen was erfahren. Aber es war eigenartig: Sie wollten einfach nicht damit rausrücken, was in den neuen Folgen passieren wird." Gut vorstellen könne sie sich, dass die anderen Charaktere und ihre Beziehungen etwas mehr Raum bekommen würden. "Wir haben ein wirklich gutes Ensemble und einige Dynamiken, die man schon unter die Lupe nehmen kann. Zum Beispiel habe ich in der zweiten Staffel einige Szenen mit Taye Diggs (spielt Dr. Sam Bennett, die Red.).
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