Aber die Bücher sind sehr unterschiedlich akzentuiert. Da zähle ich jetzt auch Bücher mit hinzu, die wir en passant erwähnen, weil sie uns in einem größeren Zusammenhang eine Erwähnung wert sind. Die Hauptwerke bekommen natürlich mehr Zeit.

teleschau: Sie werden einen prominenten Gast pro Sendung dabei haben. Welche Rolle wird der spielen?

Mangold: Er wird etwa ein Drittel der Zeit mit an Bord sein. Wir werden den Gast verpflichten, ein von uns vorgeschlagenes Buch zu lesen. Vielleicht etwas, das gerade im Gespräch ist, damit der Zuschauer einen Anknüpfungspunkt findet. Es muss nicht immer ein herausragendes Buch sein. Ein simples Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit wäre Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Und dann darf der Gast natürlich sein Lieblingsbuch mitbringen.

teleschau: Nun gab es bereits zwei sehr erfolgreiche Literatur-Talkshows im ZDF. "Das literarische Quartett" schaltete man ein, weil die Leute Marcel Reich-Ranicki schimpfen sehen wollten. "Lesen!" mochte man, weil Elke Heidenreich als emotionaler Wirbelwind durch die Sendung fegte. Was wird das Markenzeichen des Duos Amelie Fried und Ijoma Mangold sein?

Mangold: Marken kann man immer nur retrospektiv bestimmen. Die überzeugendste Marke kreiert man, indem man ganz sich selbst bleibt. Ich bin überzeugt, weder Reich-Ranicki noch Heidenreich haben sich auf dem Bildschirm angestrengt, eine besondere Eigenschaft von sich selbst herauszukehren. Aber Sie tun Frau Heidenreich Unrecht, wenn Sie sie nur auf den Wirbelwind reduzieren. Sie bringt eine sehr große Begeisterung für ihre Bücher mit, was dazu führte, dass sie meist nur Empfehlungen aussprach. Da wollen wir auch ein bisschen diskursiver an die Sache herangehen. Einen eigenen Stil werden wir sicher finden, ohne uns darüber den Kopf zu zerbrechen.

teleschau: Die Bedeutung Ihrer Sendung für die Bestsellerlisten ist erwartungsgemäß enorm. Wie groß ist der Druck der Verlage auf Sie, die natürlich gerne ihre Bücher in der Sendung vorgestellt sehen möchten?

Mangold: Der Druck der Verlage auf einen Literaturkritiker ist immer groß - ob man nun beim Fernsehen oder einer Zeitung arbeitet. Das kann auch gar nicht anders sein, ich würde den Verlagen dafür auch keinen Vorwurf machen. Die sollen sich schließlich für ihre Bücher, an die sie glauben, einsetzen. Das Nadelöhr zwischen Buch und Leser ist nun mal der Rezensent. Ich nehme an, dass die Bedeutung einer TV-Sendung wie der unseren für den Verkauf von Büchern deutlich höher ist als eine Rezension in einer überregionalen Tages- oder Wochenzeitung

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