Emmanuel Peterfalvi: Ein Franzose erklärt Deutschland

Sieht aus wie ein Wischmopp, ist aber ein Puschel-Mikrofon. Daran hält sich ein Franzose fest, der den Deutschen auf ungewöhnliche Art beweisen möchte: Euer Land ist eigentlich super! (Naja, bis auf die Deutsche Bahn vielleicht ...) Wenn Emmanuel Peterfalvi als unbeholfener Reporter Alfons loszieht, bringt er sie dazu, im Fernsehen verblüffend ehrlich zu sein. Während der 42-Jährige mit neuem Programm durchs Land tourt und als Gast in der ARD-Vorabendserie "Eine für alle - Frauen können's besser" (voraussichtlich am Di., 18.08., 18.50 Uhr) auftritt, wiederholt das Erste die sechs Folgen der SR-WDR-Koproduktion "Puschel TV" (ab 20.07., immer montags, gegen 00.40 Uhr), die zuvor erfolgreich im SR liefen. Im Interview spricht der gebürtige Pariser und Wahlhamburger über Alfons' Berufsethos, seine Freundschaft zu Nathalie Licard und erklärt, warum er Deutschland liebt.

teleschau: Sie kommen gerade aus dem Urlaub ...

Emmanuel Peterfalvi: Ja, ich war fünf Tage wandern in Frankreich, ganz alleine. Eine schöne Regeneration. Ich bin sehr naturverbunden.

teleschau: ... aber Sie sind vermutlich nicht mit der Deutschen Bahn dorthin gefahren, oder?

Peterfalvi: (lacht) Eigentlich ist die Bahn praktisch. Aber wenn man so viel damit fährt wie ich, bekommt man auch all die nervigen Dinge mit. Irgendwann hat man das Gefühl, man erlebt nur das. Das ist ein bisschen unfair. Die Bahn ist aber übrigens das Einzige, das in Frankreich besser funktioniert als in Deutschland.

teleschau: Tatsächlich?

Peterfalvi: Das einzige Technologische, Organisatorische. Aber praktisch ist, dass die Deutschen es nicht wissen. Sie haben oft das Gefühl, dass hier in Deutschland alles ganz schlimm ist: die Bürokratie, die Politiker ... Das stimmt nicht, aber das sage ich nur ganz leise, weil ich davon lebe, dass die Deutschen sich selbst so gerne kritisieren. "Puschel TV" ist der Beweis, dass Deutschland ein tolles Land ist. Mein Ziel war, durch Deutschland zu reisen und es mit Alfons' naiven Augen anzuschauen: ein super Land! Viele sagen mir: "Warum bist du überhaupt hier? Langweiliges Land, kein Humor ..." Aber wenn es wirklich so wäre, wäre ich nicht seit 18 Jahren hier!

teleschau: Was mögen Sie an Ihrer Wahlheimat?

Peterfalvi: Man kann Spaß haben, es gibt Vielfalt, es gibt Typen, authentische Leute. Deutschland ist für mich voller Überraschungen - zum Beispiel die Kehrwoche! Ich fuhr nach Schwaben, um eigentlich einen Film über die Sparsamkeit zu machen. Im Norden sagten mir die Leute, die Schwaben seien so geizig. Aber mir kamen sie eher sinnvoll sparsam vor. Allerdings waren alle, mit denen ich sprach, am Putzen (lacht) - und sie hörten wegen unseres Gesprächs auch nicht auf! Wegen der Kehrwoche, dieser schwäbischen Tradition, die ich gar nicht kannte.

teleschau: Die haben Sie sich dann auch ausführlich im Film erklären lassen ...

Peterfalvi: Dafür liebe ich Deutschland! Ich reise, sehe mir die Menschen an, und dann wird mir eine Tradition erklärt, von der alle behaupten: "Das ist langweilig. Kann ich dir gerne erklären, musst du aber nicht wissen." Aber eigentlich ist es toll! Es gibt immer wieder diese sehr skurrilen Dinge. Wir bereiten gerade die zweite Staffel vor, und mein Traum wäre, einmal einen dieser Vereine für Nacktwandern zu begleiten! Ist aber nicht ganz einfach zu drehen ...

teleschau: Würde Alfons dafür seine sagenhafte orangefarbene Jacke ablegen?

Peterfalvi: Da muss ich mir ein Outfit überlegen, damit es eine Familiensendung bleiben kann!

teleschau: Wie viele von diesen Jacken haben Sie mittlerweile verschlissen? Die Figur des Alfons gab es ja schon länger bei "Extra 3"

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