"Domino - Live fast, die young" - Zahl - du stirbst

Domino Harvey war tot, noch bevor der Film über ihr Leben in die Kinos kam. Ende Juni 2005 wurde sie mit einer Überdosis Drogen im Blut in ihrer Badewanne gefunden. Das Interesse des Publikums blieb dennoch gering: Tony Scotts Action-Thriller "Domino" (2005) wollte in den USA kaum jemand sehen. Zehn Millionen Dollar Einspielergebnis bei 50 Millionen Dollar Produktionskosten - eine mittlere Katastrophe. Und auch hierzulande lockte dieser Zelluloid gewordene Fiebertraum, den ProSieben nun als Free-TV-Premiere zeigt, gerade einmal 140.000 Besucher in die Kinos.

Vielleicht lag es daran, dass die Geschichte um die Tochter des Schauspielers Laurence Harvey (Oscarnominierung für "Der Weg nach oben"), die ihre Modelkarriere sausen ließ, um Kopfgeldjägerin zu werden, zu sehr nach miesem B-Movie klang, um wahr zu sein. Vielleicht war aber auch die Tatsache schuld, dass Scott mit Vollgas durch sein dreckiges und blutiges Road-Movie rast und den Blick fürs Wesentliche völlig aus den Augen verliert. Was schade ist, bezeichnete der mittlerweile 65-jährige Regisseur (ab 24.09. mit "Die Entführung der Pelham 123" im Kino) Domino Harvey noch zu Lebzeiten als seine "verlorene Tochter". Doch Scott und sein Drehbuchautor Richard Kelly entfernen sich trotz der Beteuerung, es handle sich um eine wahre Geschichte, irgendwann vom realen Vorbild.

Sie verschweigen im Film die Drogensucht und Homosexualität Domino Harveys und lassen stattdessen Hauptdarstellerin Keira Knightley unentwegt und unsagbar cool an einer Zigarette ziehen. Oder mit einem langhaarigen Vollblut-Latino in der Wüste vögeln. Überhaupt scheint es die junge Britin (diesmal mit kurzer Mähne) genossen zu haben, das böse Kick-Ass-Girl fernab ihrer braven Schön-Mädchen-Rollen in "Fluch der Karibik" oder "Stolz und Vorurteil" zu geben. Mit Inbrunst schießt, strippt und prügelt sie sich durch die Wirren des Drehbuchs, das in Tarantino-Manier eine Plotschlaufe um einen rachsüchtigen Mafiaboss, das FBI, einen Millionenraubzug, ein krankes Kind, einen skrupellosen Kasinobesitzer und einen afghanischen Sprengstoffexperten zieht.

Mittendrin in diesem unentwegt Haken schlagenden Fiebertraum: Domino und ihre Kollegen Ed (Mickey Rourke, "The Wrestler") und Choco (Edgar Ramirez). Als unschlagbares Kopfgeldjäger-Team machen sie erfolgreich Jagd auf die Verbrecher des Landes und werden dafür mit einer eigenen Reality-TV-Show belohnt. Der medienkritische Subplot, den sich Scott scheinbar bei Oliver Stones "Natural Born Killers" entliehen hat, ist durchaus humorvoll, überfrachtet den bis in die Nebenrollen hervorragend besetzten Film aber vollends.
Ausstrahlung am 26.07.2009 um 22:35 Uhr auf ProSieben

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Autor: Gerd Hilber/teleschau - der mediendienst
Bilder: ProSieben / Constantin Film

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