Deutschland einig Schlagerland: Das Erste sucht "Die schönsten Hits der Deutschen"

Die Programmdirektoren der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten rümpfen ja gerne etwas selbstgefällig die Nase über das ach so verkommene Unterhaltungsprogramm der privaten Konkurrenz. Auf die Kopie ihrer Erfolgsformate mag man trotzdem nicht verzichten. Wird es sinnfälliger, wenn das ZDF Kanzlertalente statt vermeintlicher Popwunderkinder castet? Und ist es erträglicher, wenn das Erste das Feld der "Hitgiganten" (Sat.1) und der "Ultimativen Chart Show" (RTL) nun mit den Mitteln des Schlager-Grand-Prix von hinten aufrollt? Am Donnerstag, 1. Oktober, 20.15 Uhr, werden die (Ex-)"Riverboat"-Talker Kim Fisher und Jan Hofer jedenfalls "Die schönsten Hits der Deutschen" präsentieren. Auswählen dürfen die Gebührenzahler im Vorfeld selbst: aus 100 größtenteils deutschsprachigen Titeln der Jahre 1949 bis 2009.

Eine gewisse inhaltliche Nähe zu den Rankingformaten von RTL und Sat.1 mag man bei der Pressestelle des verantwortlichen Hessischen Rundfunks denn auch gar nicht abstreiten. Wenngleich darauf verwiesen wird, dass das Show-Konzept von der BBC übernommen wurde. Gleichen geistigen Urheber nannte auch das ZDF, das 2005 in der Reihe "Unsere Besten" unter Leitung von Johannes B. Kerner nach den deutschen "Jahrhunderthits" fahndete. Gewonnen haben damals die Scorpions mit ihrem geflöteten Wendeohrwurm "Wind Of Change".

Der steht unter www.daserste.de/hitsderdeutschen nun wieder zur Auswahl - übrigens als einziger nicht deutschsprachiger Titel unter 100 Vorschlägen. Doch zu den Anlässen 60 Jahre BRD und 20 Jahre Mauerfall passt er natürlich wieder bestens. Die Lieblingshits der Deutschen "aus den Bereichen Schlager, Rock und Pop" will das Erste ermitteln und dabei sowohl das ältere als auch ein junges Publikum ansprechen. Älteres Publikum kommt hin. Schlager auch.

Von Bill Ramseys "Zuckerpuppe (aus der Bauchtanzgruppe)" geht's über Roy Black ("Ganz in Weiß"), Heintje ("Mama"), Heino ("Blau blüht der Enzian") und Roberto Blanco ("Ein bisschen Spaß muss sein") einmal quer durchs üblicherweise verdächtige Repertoire. Ostalgiker freuen sich über die Puhdys und Karat, das angesprochene junge Publikum hat eigentlich nur die Wahl zwischen Tokio Hotel ("Durch den Monsun") und "Schnappi, das kleine Krokodil". Abgestimmt werden kann noch bis zum 1. September.

Was dem aufbrausenden Fernsehlandschaftskritiker Marcel Reich-Ranicky, der als Showgast fest gebucht ist, in der Sendung wohl zum "Herzilein" der Wildecker Herzbuben einfällt? Oder zu Wolle Petrys Krawallnummer "Wahnsinn"? Als Schlagerfreund ist der zornige Literaturonkel bislang jedenfalls genauso wenig in Erscheinung getreten wie als Popkolumnist. Gleiches gilt für Friedrich Nowottny, der ebenso zugesagt hat wie Boxqueen Regina Halmich und die Blödelbarden Karl Dall und Jürgen von der Lippe. Letzterer könnte im Erfolgsfall immerhin gleich vor Ort sein "Guten Morgen, liebe Sorgen" zum Besten geben.

Darüber hinaus sollen die Gäste aber vor allem in ihren Erinnerungen schwelgen, die sie mit den Hits verbinden, wie der HR erklärt. Kommt einem auch irgendwie bekannt vor. Und weil sich im Fernsehen sowieso alles wiederholt, ist auch schon wieder Krach mit dem Nachbarland vorprogrammiert. Hatte das ZDF für "Unsere Besten" kurzerhand den gebürtigen Salzburger Wolfgang Amadeus Mozart annektiert, steht nun der Wiener Falco auf dem Wahlzettel

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