Mehr davon ... Die Öffentlich-Rechtlichen machen es vor: Drei TV-Perlen am späten Abend

Das Fernsehen ist schlecht. Es unterhält nicht. Und es kopiert sich die meiste Zeit selbst. - So lauten sie, die gängigen Vorurteile, die Abend für Abend zwei Drittel der Deutschen davon abhalten, das Gerät überhaupt erst einzuschalten. Tatsächlich waren die meisten Experimente der Privatsender, sofern man sie "Experimente" nennen will, zuletzt eher von überschaubarem Wert. Til Schweigers "Mission Hollywood", DJ Bobos "Germany's Next Showstars", die Comedy "Die einzig wahren Hochzeitscrasher". Allesamt Flops. Zu Recht. Wenn es derzeit im TV was zu entdecken gibt, dann bei den Öffentlich-Rechtlichen, die sich weit experimentierfreudiger geben als die Privaten. Drei Beispiele ...

"Inas Nacht": "Ich gehe nicht als Figur raus. Ich spiele keine Rolle. Da geht Ina Müller raus." Nein, diese Frau ist kein Star und gibt sich auch nicht so. Diese Frau ist eine von uns. Nur lauter. Viel lauter. Und dabei nie unsympathisch. Eine seltene Kombination. In der kleinen Hamburger Hafenkneipe "Schellfischposten" empfängt sie Woche für Woche vor einer Hand voll Zuschauer zwei prominente Gäste zum Gespräch. Ein Gespräch, bei dem alles passieren kann. Offenes Anbaggern wie bei Popsänger Sasha. Tony Marshall wird abgefüllt. Dazu Gespräche über Dildo-Verkaufsveranstaltungen auf dem Lande, die Haarpracht von Uwe Ochsenknecht (Brust und Kopf!), aber auch über die Liebe und das Leben.

Ina Müller, eine Entertainerin, die diese Bezeichnung verdient hat, ist 43 und macht daraus auch keinen Hehl. Sieht man davon ab, dass sie blond ist, passt sie in keine vorgefertigte Moderatorinnen-Form. Es gibt genügend Argumente gegen sie: Sie ist, keine Frage, eine unglaubliche Selbstdarstellerin. Sie wechselte mit Anfang 40 als Fan den Fußballverein (nun HSV statt Bayern). Sie ist bisweilen allzu albern. Aber: Sie ist echt. Sie ist frei von Ängsten, der NDR als Heimatsender lässt ihr Entfaltungsfreiheit. Und: Sie kann singen. In jeder Ausgabe ihrer Late-Night lädt sie meist Deutsch singende Gäste zu sich ein und lässt es sich dabei niemals nehmen, sich bei den handverlesenen Songs selbst einzubringen. Es zeigt sich: Jedes, wirklich jedes Lied wird besser, wenn Ina Müller mitsingt. Beleg: "Wir werden uns wiedersehen" der Band Selig ist ein wunderbares Lied, mit Ina Müller und reduzierten Instrumenten wurde es zum Ereignis. ("Inas Nacht", freitags, 00.00 Uhr, NDR, und als Wiederholung montags, gegen 00.20 Uhr, ARD).

"heute show": Oliver Welke ist ja gefühlt überall. Aber da, wo er gerade ist, gehört er hin. Dabei schien es, als habe das Multitalent seine Begabung vor allem bei der Improvisation. Das ohne ihn nur halb so witzige "Frei Schnauze XXL" bei RTL sei als Beispiel angeführt. Doch nun hält er sich brav an seinen Text. Und der ist ... komisch. Oft sogar hintergründig komisch. Die "heute-show" ist ein Mixtur aus Satire und Comedy. Eine temporeiche Ausgabe von "Rudis Tagesshow", wenn man so will. Nur weit frecher, weit rücksichtsloser, als es Carrell jemals sein durfte. Unterstützt wird er dabei unter anderem von Martina Hill ("Switch") sowie von den Kabarettisten Christian Ehring und Olaf Schubert.

Von SPD bis zum Iran, von Berlusconi bis zu Horst Köhler - alles, was nachrichtentauglich ist, ist auch satiretauglich

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