Ganz für sich darf indessen Brigitte Hobmeier den Caravan nebenan in Anspruch nehmen. Hobmeier, einem breiteren Publikum immer noch vor allem als Theater-Shootingstar bekannt (Münchner Kammerspiele),

ist in dem Film eine Geburtshelferin, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts in einer bayerischen Kleinstadt mit ihrem über die Jahrhunderte tradierten praktischen Wissen ernste Schwierigkeiten mit der etablierten Ärzteschaft, der Kirche und der Obrigkeit bekommt.
Befragt, ob sie es im Film denn mit der damaligen etablierten Medizin, den Männern und der Kirche aufzunehmen habe, also eine Art Jeanne d'Arc des Hebammenwesens sei, winkt Brigitte Hobmeier, selbst Mutter eines dreieinhalbjährigen Sohnes, geradezu entrüstet ab. Nein, sie sei im Film keinesfalls "in der Position des Gegners, nicht gegen Ärzte oder gegen die Kirche, auch nicht gegen die Männer - schon gar nicht die!", so braust sie mit Bühnenreife auf. Nein, sie sei im Film ke

ine wütende Kämpferin, die "hoch zu Ross mit dem Flammenschwert" gegen ihre Feinde ziehe. "Das wäre dann ein anderer Film!"
Schade, so denkt man bei sich, wenn man die hellen Augen der Schauspielerin und ihr rötlich wallendes, wenn auch teils zu einem Zopf zusammengebundenes Haar leuchten sieht. Doch nein, sie sei in ihrer Rolle lediglich eine kundige Frau, die anderen Frauen helfen will, mit Sachverstand und dem zur damaligen Zeit zur Verfügung stehenden Know-how. Freilich ist sie im Film eine junge Frau mit besonderer Biografie: "Rosa Koelbl", so sagt sie, "ist sicher wütend und verzweifelt. Und sie ist hart geworden durch die Erfahrungen, die sie im Leben macht. Mit 16 hat sie ihre kleine Schwester in den Arm gedrückt bekommen,

weil die Mutter starb, und musste ganz alleine für sie sorgen."
Es ist also ein eher dramatischer Film, wie man ahnt, den da die junge ehemalige Luggi-Waldleitner-Firma "Roxy Film" ("Wer früher stirbt, ist länger tot") in Tirol und Niederbayern dreht. Keiner dieser süßlichen Stoffe, in denen das Weibliche schlechthin mittels Kräuterkunst und Esoterischem im Handstreich siegt. Es war damals, nach den napoleonischen Kriegen eine schwere Zeit, in der die Handlung spielt. Die Chirurgen kamen aus dem Krieg. "Sie schnitten Arme und Beine in Lazaretten ab", sagt drastisch die Regisseurin Dagmar Hirtz. Damals erst begannen sich in Deutschland allerorten Gebäranstalten mit Hebammen unter ärztlicher Leitung zu etablieren.
Hatten sich die Männer - bis auf lebensgefährliche Fälle - aus Geburtsdingen bislang weitgehend herausgehalten, so prallten nun chirurgische Erfahrung und das praktische Naturwissen der durch Verordnungen streng reglementierten Hebammen aufeinander
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