teleschau: Also war der Familienkonflikt vorprogrammiert?

Hagedorn: Meine Mutter zieht mir heute noch die Ohren lang. Aber es siegte der Reiz, die Eitelkeit, einmal im Leben derart hübsch in Szene gesetzt zu sein - bevor man anfängt zu verwelken.

teleschau: Kam danach Reue auf?

Hagedorn: Nicht eine Sekunde. Es machte Spaß, ich bin stolz auf die Bilder - auch weil ich schon immer ein bisschen um meine Figur kämpften musste. Ich bin totaler Genussmensch und neige dazu, schnell zuzunehmen. Ich wollte einfach mal solche Fotos haben, so lange ich noch keine Kinder habe. Das Lustige ist, dass ich direkt danach schwanger wurde ...

teleschau: Können Sie sich eigentlich an Ihre erste Sendung erinnern?

Hagedorn: Hundertprozentig! Ich kenne sogar noch die Namen der Gäste. So unvergesslich wie eine Geburt. Meine erste Aufzeichnung drehte sich um das Thema "Sexbomben", mit dabei: ein kleinwüchsiges Pärchen, sie Vanessa, er Steve, richtige Sexbömbchen ...

teleschau: Das liegt neuneinhalb Jahre zurück. Hätten Sie sich träumen lassen, so lange durchzuhalten?

Hagedorn: Auf keinen Fall. 300 Sendungen, lautete das Ziel. Jetzt sind es 1.500. Cool, oder?

teleschau: Wenn man bedenkt, dass schon bei Ihrem Start die Ära der Talkshows für beendet erklärt wurde, grenzt es an ein Wunder!

Hagedorn: Ich hatte zunächst selber Zweifel. Ein Verantwortlicher von Sat.1 sagte damals: "Pass mal auf Mädchen, du hast dieses Angebot bekommen, nun nimm es an. Der Letzte macht immer noch das Licht aus!" Und so kam es auch.

teleschau: Sie knipsen es aus?

Hagedorn: Vielleicht auch nicht! Sollte der Nachmittagstalk noch einen Aufschwung erleben, dann würde ich mir gerne einen Orden anheften. Dann wäre ich es, der dieses Genre über schwierigste Zeiten hinweg gerettet hat. Ich glaube daran, bin eh eine Zweckoptimistin.

teleschau: Was lässt sie hoffen?

Hagedorn: Die Tatsache, dass es seit 20 Jahren Talkformate gibt. So viele Trends, die kamen und gingen, die Talkshow ist geblieben. Es muss so etwas wie ein grundlegendes Talkbedürfnis geben. Schon im Mittelalter haben sich die Leute zusammengerottet und Geschichten aus der Nachbarschaft erzählt ...

teleschau: Was steckt Ihrer Meinung nach dahinter?

Hagedorn: Da gibt es diesen kathartischen Ansatz, der auf die klassische Tragödie zurückgeht: Es wirkt befreiend, ein Stück vom Dilemma anderer Menschen mitzukriegen. Dieses "Oh Mann, ich bin nicht alleine" ist ein Reflex

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