Dieses Gefälle kenne ich auch privat, nichts haut mich so aus der Bahn wie wenn ich liebe."

"Alle Anderen" polarisiert, jeder hat eine Meinung, fühlt sich betroffen und ergreift Partei. Da lacht Birgit Minichmayr erstmals. Sie findet die Frau "in ihrem Verhalten sehr normal", kennt aber andere Reaktionen auf ihre Rolle. "Ein Freund von mir wurde gefragt, ob ich privat auch so anstrengend sei. Andere finden, am Anfang würde ich schon sehr gestört wirken." Verstörend sind die Gespräche. Sind sie vielleicht das Problem, reden Frauen zu viel in Beziehungen? "Zu viel?", fragt die Schauspielerin nach. "Ich denke, Frauen sprechen mehr an. Ich bin selbst jemand, der die Dinge schnell benennt, kenne dieses Monologisieren von mir. Das liegt an diesen Typen, aus denen man nichts herausbekommt. Aber es gibt bestimmt auch Frauen, die reden gar nichts."

Der Film, das merkt man, war für Minichmayr kein Stressfaktor, sondern eine authentische Aufgabe, bei der ihr bewusst war, dass man aus dem eigenen Nähkästchen plaudert, Rolle hin oder her. Wichtig war ihr Partner Lars Eidinger, ebenfalls Theaterschauspieler und Reibungsfläche. Das erste Aufeinandertreffen verlief "relativ sperrig", was der Regisseurin wohl aufgefallen ist. "Dieser große Mann, seine Erscheinung, seine Aura hat mich ein bisschen wuschelig gemacht. Die Kräfteverhältnisse waren da nicht gleich klar. Ich schätze, das hat Maren Ade gefallen, und ich war ein wenig angefixt von seiner Ausstrahlung." Was sie dann braucht, sei der private Kontakt, erzählt sie einmal mehr mit großer Offenheit. "Wir haben uns oft getroffen, schließlich zeigt man etwas von sich her und das fällt mir schwer, wenn man vor dem Dreh so gar keinen Kontakt hat." Der Vollständigkeit halber sagt sie: "Das heißt nicht, dass ich mich in Lars verlieben muss."

Es gibt etwas, das sie an ihrem Beruf nicht mag und vermeidet: Kontrollverlust. "Ich gehe gerne an Grenzen, aber ich mag dieses 'Ich komme nicht mehr aus der Rolle'-Gehabe nicht - als sei das ein Qualitätsnachweis. Den Zustand, in dem ich mich frage, heiße ich Gitti oder Birgit, kenne ich nicht. Ich weiß, dass ich hier stehe, habe mir eher das Kindsein und die damit verbundene Vorstellungskraft in die Tasche gesteckt, bin kein Method Actor, der die Rolle mit in die Garderobe nimmt. Ich bin jemand, der das abschüttelt." Doch vor dem Schütteln taucht sie ein wie wenig andere.

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Autor: Claudia Nitsche/teleschau - der mediendienst
Bilder: 2008 Prokino Filmverleih GmbH Bildvermerk: NDR / Morris Mac Matzen Birgit Minichmayr und Camp Donata Wenders NDR / Morris Mac Matzen

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