Birgit Minichmayr: "Eine Beziehung ist Arbeit"

In manchen Karrieren passiert alles auf einmal. 2009 ist das Jahr der Birgit Minichmayr. Sie brillierte im bitterbösen "Knochenmann" neben Josef Hader, der gestand, dass er sich ein klein bisschen in die Oberösterreicherin verliebt habe. Deswegen habe er sie besetzt. Ausgewählt hat die 32-Jährige auch Campino, um mit ihr auf dem aktuellen Toten-Hosen-Album ein Duett zu singen. Für sie Premiere. Doch ihr Mut wird belohnt. Die Zusammenarbeit mit Maren Ade für den Kinofilm "Alle anderen" (Kinostart: 18.06.) war ein Wagnis. Man zieht sich ganz schön aus bei einem Film über die Geheimnisse in Beziehungen.

Nach der Vorstellung der beiden Filme bei der Berlinale reiste die Künstlerin zufrieden ab, sie lebt wieder in Wien, hat im Spätsommer ihre Berliner Wohnung auf- und das Engagement an der Volksbühne gelöst. Doch sie musste zurück in die Hauptstadt, schließlich gewann sie für "Alle anderen" den Silbernen Bären als beste Darstellerin.

Rotblonde Haare, blasser Teint und Sommersprossen. Die Schauspielerin wirkt verschlossen. Sehr viel dünner als noch beim Dreh zu "Alle anderen" 2007 kauert sie schutzlos und ohne Lehne auf einem Hocker, wirkt ein wenig erschöpft und verschnupft. Sie trägt eine schwarze, sehr schmale Hose, hohe Schuhe und eine passende kurze schwarze Jacke. Das ist so ganz anders als die toughe, burschikose Gitti aus dem Film. Doch wenn Birgit Minichmayr das Reden und Gestikulieren anfängt, verblasst die feminine Von-Welt-Kleidung zur schicken Hülle, und verschlossen ist sie auch nicht mehr.

Ähnlich schonungslos wie in der als Spielfilm getarnten Beziehungsdoku, erzählt sie von ihrer eigenen Familie: "Meine Eltern haben sich für zwei Jahre getrennt und sind wieder zusammengekommen. Diese Zeit hat uns alle bereichert", ist sie überzeugt. "Was ich daraus gelernt habe, war, dass man immer an die gleichen Punkte kommt, egal mit welchem Partner. Es liegt also nicht an den Anderen, sondern an einem selbst", resümiert sie. Und: "Ich habe schon auch den Wunsch nach Familie und Kindern, einem Mann, mit dem ich zusammenbleibe. Mit dem ich alles durchstehe."

Dabei gehört sie zur Generation, die keine Entscheidungen treffen will. Heute legt man sich nicht mehr fest, oder doch? "Das empfinde ich nicht so", sagt sie und schaut kurz ins Leere. "Die Liebe ist doch ein Thema, dem man nie auskommt, nur glauben viele noch an den Traumpartner, an Romeo und Julia - obwohl Shakespeare die nach der ersten Liebesnacht sterben lässt. Sollte man dies nicht als Zeichen sehen und sich von diesem romantischen Gedanken verabschieden? Eine Beziehung ist Arbeit. Vielleicht", überlegt sie, "wird man aber auch, wenn man schon gescheitert ist, abgeklärter oder realistischer."

Dieses Straucheln erleben Gitti und Chris in "Alle Anderen", einem dialoglastigen Film, der die Liebe gnadenlos seziert. Birgit Minichmayr und ihr Kollege Lars Eidinger graben sich tief in zwischenmenschliche Disproportionalitäten. Minichmayr mochte die Figur der Gitti. "Es gefällt mir, dass eine Frau, die sehr stabil wirkt, anfängt, sich mit sich zu beschäftigen und in ihren Grundfesten erschüttert wird

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