Angela Kovács: Kein schwedischer Trauerkloß
Wie stellt man sich einen schwedischen Kommissar vor? Dank erfolgreicher Rollenmodelle wie Hennig Mankells "Wallander" oder Håkan Nessers "Van Veeteren" entstehen Bilder von desillusionierten, alternden Männern. An ihr eigenes Glück scheinen diese Ermittler nicht mehr zu glauben. Die Leichen, die sie finden, bestätigen nur ein zementiert melancholisches Lebensgefühl. "Irene Huss", der jüngste Import aus dem Krimi-Wunderland Schweden, räumt nun auf mit diesem Klischee. Die Krimis unter dem Signet "Irene Huss, Kripo Göteborg" (ab 12.07., sonntags, 21.45 Uhr, im Ersten) zeigen eine attraktive Frau, die mitten im Leben steht. Verkörpert wird die neue Kommissarin von Angela Kovács, eine der besten Theaterschauspielerinnen Schwedens.
Vor allem der 45-jährigen Trägerin des legendären Ingmar-Bergman-Preises ist es zu verdanken, dass diese neue Schwedenreihe zu fesseln weiß. Kovács spielt die Romanfigur der Autorin Helene Tursten so

authentisch unprätentiös, dass man glaubt, dem wirklichen Leben zuzusehen. Kein Wunder - neben ihrer Arbeit für die besten Theater Schwedens kann die sympathische Tochter eines ungarischen Einwanderers in der sechsteiligen Krimireihe beinahe sich selbst spielen: eine hart arbeitende Mutter zweier Kinder, die ihre liebe Mühe hat, neben dem stressigen Job bei der Polizei auch noch Mann und Teenager-Zwillinge unterzukriegen.
Angela Kovács musste nicht lange überlegen, als das schwedische Fernsehen 2006 nach einem Gesicht für die neue Krimireihe suchte und bei der brünetten Theatermimin anklopfte. Zu dieser Zeit hatte Kovács gerade in einer Nebenrolle auf dem kriminalistischen Parkett zu überzeugen gewusst - als Krister Hendriksons Kollegin und spätere Chefin in den Wallander-Verfilmungen

der zweiten Generation. "Die Figur der Irene Huss mochte ich sofort, weil die Filme es mir erlauben, ein echtes Leben zu zeigen. Den Alltag einer Polizistin mit Familie, Kollegen und Freunden. Ich möchte die Sicht auf diese Art von Arbeit erweitern, denn hinter vielen Ermittlern verbergen sich ganz normale Leute. Sie sind soziale Wesen und in der Regel keine einsamen Wölfe."
Obwohl die Grundstimmung der Irene-Huss-Krimis eher aufgeräumt sachlich ist, die Fälle im Team gelöst werden und immer wieder das Mittelklasse-Leben von Huss' Familie mit Ehemann, einem Koch, und den beiden 15-jährigen Zwillingstöchtern erzählt wird, ist die Rolle nicht unbedingt dankbar für eine Klasse-Mimin, die in Stockholm gerade in einer Inszenierung des Botho Strauß Stückes "Groß und Klein" auf der Bühne ste

ht. "Irene Huss zu sein, ist in der Tat nicht leicht", findet Angela Kovács. "Extreme Charaktere spielen sich leichter. Doch die Rolle bietet auch viele Chancen. Ich konnte eine Rolle über sieben Monate Drehzeit und sechs Folgen entwickeln. Zudem ist diese Ermittlerin angenehmerweise keine coole Frau. Die Dinge verfolgen sie ins private Leben. Man kann in ihrem Gesicht lesen, das ist sehr menschlich."
Auch im wirklichen Leben ist Angela Kovács Mutter zweier Kinder, einem zehnjährigen Sohn und einer fünfjährigen Tochter. Mit ihrem Mann Jan Modin, Schauspieler und Regisseur, lebt sie derzeit in Stockholm. "Zum ersten Mal seit zwölf Jahren spielen wir wieder am gleichen Theater. Das ist aufregend und verrückt
1
·
2
·
3