Das ZDF betritt "Privatgelände": ZDFneo (Senderstart: 01.11.) nimmt das junge Publikum ins Visier
Das ZDF macht ernst. Damit das Werben um junge Zuschauer endlich von Erfolg gekrönt ist, haben sich die Mainzer einer gewaltigen Frischzellenkur unterzogen. Ab Sonntag, 01.11., trägt der ZDFdokukanal - wie staubig das schon klingt! - einen viel peppigeren Namen: ZDFneo. Und "neu, neu, neu!" ist auch das Motto: Neues Design, neue Inhalte, neue Zielgruppe. Das Publikum wird staunen, mal begeistert, mal verwundert. RTL und die ProSiebenSat.1-Gruppe sind derweil gar nicht amused von dem "indifferenzierten Jugendfamilienmusikunterhaltungskanal", den das ZDF ihrer Meinung da anbietet. Verstehen kann man's. Der öffentlich-rechtliche Digital-Sender "wildert" ganz schön auf privatem Gebiet.
An Zuschauer zwischen 25 und 49 Jahren will man sich richten, vor allem an junge Familien. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt ZDFneo am Vorabend ganz auf Doku-Soaps, eigentlich eine Domäne der Privats

ender. So gibt's montags um 19.30 Uhr "Mein Superschnäppchen-Haus" (lief schon im ZDF). Familie Gnad aus Pritzwalk hat es für 11.000 Euro ersteigert und muss das 100 Jahre alte Geschäftshaus nun renovieren. Dienstags zeigt man zur gleichen Sendezeit "Mamas Traumjob", eine US-Sendung über sogenannte "Soccer moms" (also nicht berufstätige Mütter, die vor allem ihre Kinder von einem Termin zum nächsten bringen), die wieder in ihren alten Job zurückkehren.
Das könnte ohne Weiteres auch bei RTL oder Sat.1 laufen. Ebenso wie der Import aus Belgien, "Der Extremtester" (donnerstags, 19.30 Uhr), der in der ersten Ausgabe der Frage nachgeht, wie man Paparazzo wird, oder die eigenproduzierte Doku "Hochzeitsfieber!" (freitags, 19.30 Uhr), eine Art "perfektes Din

ner" für Brautpaare, die sich mit anderen messen. Mittwochs will dann der "Straßenchor" (19.30 Uhr, ebenfalls eigenproduziert) "sozial schwach gestellten Menschen eine Stimme geben". Wohnungslose, Hartz-IV-Empfänger und Drogensüchtige singen gemeinsam.
Auch die internationalen Serien-Importe von ZDFneo machen den Privaten Konkurrenz. Für Wirbel sorgte vor allem der Einkauf von "30 Rock" (mittwochs, 22.30 Uhr), der mehrfach preisgekrönten US-Serie, die zuletzt wieder bei den Emmys abräumte. Auch an den übrigen Tagen ist der 22.30-Uhr-Slot mit starken Serien versorgt. Montags gibt's britische Krimi-Kost mit den Agenten von "Spooks - Im Visier des MI5" (dienstags auch im ZDF-Hauptprogramm), dienstags berichtet "In Plain Sight" (USA) in deutscher Erstausstrahlung vom Leben einer Bundesagentin, die für das Zeugenschutzprogramm arbeitet.
Ungewöhnlich ist auch die britische Comedy "Taking the Flak" (donnerstags) über das Leben von Auslandsreportern in Krisenregionen. Am Freitag dürfen die Trickbetrüger von "Hustle - Unehrlich währt am längsten" (Großbritannien) schon um 21.40 Uhr ran. Außerdem sendet ZDFneo werktags, 14.30 Uhr, die Hit-Comedy "Seinfeld". Und die Schulterpolster-Cops aus der Kult-Serie "Miami Vice" dürfen dienstags- und mittwochsabends ermitteln.
Auf starke ZDF-Hauptprogramm-Marken oder -Produktionen will man allerdings auch nicht verzichten. In der Primetime wird auf Anspruch gesetzt. Das zeigt die Programmierung der hochwertigen Erfolgs-Doku "Die Deutschen" werktags um 20.15 Uhr
1
·
2