Tokio Hotel: Dankbar für den Hass

Kreischfaktor 100 Prozent - wahrscheinlich keinem anderen Album fiebern die deutschen Fans derzeit derart entgegen wie dem dritten Werk der Magdeburger Megastars Tokio Hotel. Wobei ihre Lieblinge mittlerweile global und in ganz anderen Kategorien denken: Nach "Schrei" und "Zimmer 483" macht sich das Quartett mit "Humanoid" auf, den internationalen Markt kräftig aufzumischen. Die Zwillinge, Sänger Bill und Gitarrist Tom Kaulitz, die Anfang September ihren 20. Geburtstag feierten, sind bester Dinge, dass ihnen das auch gelingen wird. Und reden im Interview über Freiheiten, die Weisheit des Alters und den Hass, der ihnen teilweise entgegenschlägt.

teleschau: Ihr veröffentlicht Euer Album auch auf Englisch. Habt ihr diesmal also vor allem den internationalen Durchbruch im Blick?

Bill Kaulitz: Wir haben ja schon die Songs des letzten Albums später auf Englisch produziert, insofern war das jetzt nicht neu für uns. Aber es stimmt schon, wir haben es diesmal von vornherein so geplant, dass es jeden Song auch auf Englisch geben sollte, und so haben wir auch geschrieben. Das war eine Menge Arbeit.

teleschau: Eigentlich müsstet Ihr ja gar nicht mehr auf Englisch singen, oder? Eure Fans im Ausland belegen an den Schulen wegen Euch doch sowieso schon Deutschkurse ...

Bill: Ja, das ist schon cool! Aber es war ja schon immer unser Langzeitziel, mit unserem Produzententeam eine internationale Karriere aufzubauen. Wir wollen einfach, dass jeder überall auf der Welt unsere Songs verstehen kann.

teleschau: Ihr habt ein Jahr lang an den neuen Songs gebastelt. Es heißt, das habe so lange gedauert, weil Bill in seinen Taschen ständig längst vergessene Notizzettel mit Songideen findet, die Ihr dann ausprobiert ...

Tom Kaulitz: Die Produktion hat so lange gedauert, weil wir einfach eine Menge Ideen hatten. Es gab verschiedene Demos, zu denen Bill gesungen hat. Und wenn man eine neue Idee gefunden hat, wurde die halt ausprobiert.

Bill: Ich habe immer einen unglaublichen Haufen Zettel in meinen Taschen, auf denen alle möglichen Ideen gekritzelt sind. Das ist immer ein totales Chaos. Aber ich komm damit klar.

teleschau: Zettel? Ihr seid doch die digitale Generation, die Notizen eher ins Handy hackt?

Bill: Ja, das Handy nimmt man auch schon mal zur Not. Und klar, hab ich die meisten Ideen auf dem Computer. Aber am schnellsten geht das echt, wenn man eine Idee aufschreibt, wenn einem unterwegs mal was in den Kopf kommt, oder so.

teleschau: Für den Videodreh zur Single "Automatisch" seid Ihr nach Südafrika gereist und dort in teuren Sportwagen herumgeheizt. Ein Traum?

Tom: Ja, das stimmt. Das war schon ziemlich cool. Den Führerschein haben wir ja jetzt schon ziemlich lang - okay - Gustav hat seinen schon wieder verloren (beide lachen) - aber Autofahren ist schon eine total coole Sache. Denn es ist immer so viel los bei uns, da ist das so ein kleines Stückchen Freiheit. Wenn man allein im Auto sitzt und herumdüst, ist man mal wirklich nur für sich und kann das total genießen. Das ist schon eine enorme Freiheit.

teleschau: Ein Teil Eures Erfolgs basiert auf Eurem Look

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