Sensibles Thermometer und menschliche Wärme: Das ZDF feiert 15 Jahre "37°" (Di., 03.11., 22.15 Uhr)
"Die Protagonisten sollen sich am Tag nach der Ausstrahlung auf die Straße trauen können." Dem Vorsatz wird die ZDF-Reihe "37°" seit genau 15 Jahren gerecht. Redakteurin Michaela Pilters ist seit der ersten Sendung am 1. November 1994 mit dabei und betont: Die Menschen, die bislang bei "37°" zeigten, wie sie mit einem Schicksal umgehen, machten sogar zusätzlich positive Erfahrungen: Viele bekamen Hilfsangebote, manch einer sogar einen ernst zu nehmenden Heiratsantrag. Gelegentlich wird eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen. - Wie wurde diese besondere Dokumentationsreihe zu dem, was sie heute ist? Wie gelingt es den Machern, nicht nur hautnah an Themen heranzukommen, am Puls der Zeit zu sein, sondern auch unter die Haut zu gehen?
"Lasst Euch mal was einfallen", sagte die Programmplanung des ZDF vor mehr als 15 Jahren zu den Redaktionen "Kirche und Leben katholisch", "Kirche und Leben evangelisch" sowie "Geschichte und Gesellsc

haft". Die drei bestritten bis dahin abwechselnd den Sendeplatz am Dienstagabend um 22.15 Uhr mit unterschiedlichen Formaten. "Macht eine gemeinsame Sendung draus", erinnert sich Michaela Pilters an die Ansage. "Das war natürlich gar nicht so einfach ..."
Irgendwann einigte man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Menschengeschichten. "Und dann hatte unser damaliger Hauptredaktionsleiter Dr. Hans Helmut Hillrichs die geniale Idee für den Titel." 37°: "Auf Temperaturgrade, auf das Spezifikum der menschlichen Fieberschwelle war der Titel gemünzt", erklärte Hillrichs, der mit der Reihe "im besten Fall einen Beitrag zur sozialen Klimaforschung leisten" wollte.
Es ist den drei Redaktionen gelungen, über die Jahre ein gemeinsames Profil zu schaffen.

"37°" erzählt, ohne Analysen, Service-Empfehlungen und Experten-Kommentare, "existenzielle Geschichten, in denen Sinnfragen gestellt werden". Michaela Pilters fügt hinzu: "In der Regel zeigen wir eine Entwicklung: Am Ende eines Filmes sind die Protagonisten meist auf einem anderen Entwicklungsstand als am Anfang."
Auch die beliebte (im Durchschnitt 2,5 Millionen Zuschauer 2008) und vielfach preisgekrönte Reihe hat sich entwickelt. Geblieben ist unter anderem die Institution des runden Tisches, an dem die drei Redaktionen alle zwei Wochen Platz nehmen. "Die kleine Konkurrenz untereinander tut dem Programm gut. Es ist auch ein Filter für die Themen."
Bei deren Auswahl beweisen die Macher nicht nur ein gutes Gespür für menschliche Wärme, wohltemperier

te Darstellung ("die richtige Mischung aus Distanz und Nähe") und die Befindlichkeit der Protagonisten. Sie sind auch am Puls der Zeit. Abgesehen davon, dass "37°" heute kaum mehr Beiträge aus dem Ausland zeigt, bemerken die Redakteure und Autoren gewisse Trends. "Früher waren entwicklungspolitische Themen mal sehr hoch im Kurs. Und es gab eine Phase mit vielen Sendungen zum Thema 'Menschen und Tiere'." Heute spiegeln sich häufig auch soziale Sorgen in der meist auch gesellschaftlich relevanten Auswahl. "Zum Beispiel ist der Bereich Arbeitswelt sehr viel intensiver geworden. Ebenso Familie. Armut und die Frage, wie Menschen heute leben."
So traf der Beitrag "Leben auf kleinstem Fuß" über eine Familie in existenzieller sozialer Not im März 2009 den Nerv der Zuschauer
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