"Rosamunde Pilcher ist eine Pionierin": Nun verfilmte das ZDF auch Romane von Joanna Trollope (ab So., 04.10., 20.15 Uhr) - ein Gespräch mit der Bests

In Chelsea, Westlondon, legt Joanna Trollope, die dort gerade an ihrem neuen Buch arbeitet, eine Pause ein, um mit Deutschland zu telefonieren. Denn neben ZDF-Sonntagsreihen wie "Rosamunde Pilcher" wird demnächst unter anderem auch ihr Name stehen: Das ZDF verfilmte die Trollope-Romane "Die Zwillingsschwestern" und "Zweiter Frühling" (als "In Boston liebt man doppelt", So., 04.10., und "Geliebte Familie" (Arbeitstitel), So., 29.11., jeweils 20.15 Uhr). Sie ist bekannt für ihre zeitgenössischen Beziehungs-, Familien-, Frauenstoffe. Die 65-jährige Bestsellerautorin reagiert mit jener sympathischen Euphorie, wie sie wohl nur die Briten hinbekommen, auf die Aufmerksamkeit des deutschen Fernsehens. Im Interview spricht Joanna Trollope auch über die Wirtschaftskrise in Partnerschaften, ihre neue Leidenschaft für Berlin und ihre Verehrung für eine berühmte Kollegin ...

teleschau: Frau Trollope, kennen Sie Rosamunde Pilcher?

Joanna Trollope: Rosamunde Pilcher ist großartig: würdevoll und reizend - geradezu nach alter Schule! Sie war eine der allerersten Schriftstellerinnen, die es geschafft haben, gute, zeitgenössische Fiktion für Frauen populär zu machen. Sie ist wirklich eine der Pionierinnen, neben Autorinnen wie Mary Wesley oder Barbara Taylor Bradford. Davon haben wir alle profitiert und sind ihnen sehr dankbar.

teleschau: Worin besteht für Sie gute, zeitgenössische Fiktion?

Joanna Trollope: Wichtig für einen modernen Roman ist, so viel mit Menschen zu tun zu haben, wie es Zeit und Energie erlauben. Denn gute Fiktion handelt von Menschen. Inspiration kann man schon an der Supermarktkasse finden. Leuten, die Romane schreiben wollen, sage ich immer: Das Wichtigste ist, die Beobachtungsfähigkeit zu trainieren. Je mehr du wahrnimmst, umso besser wirst du als Schriftsteller sein. Was mir später die meiste Zufriedenheit verschafft, ist, wenn mir Leser sagen, mein Buch habe eine Diskussion angeregt.

teleschau: Welche Reaktionen bekommen Sie von Lesern?

Joanna Trollope: Viele schreiben mir, meine Bücher seien wie der Beginn einer Therapiesitzung gewesen. Eine prominente TV-Moderatorin in England, die homosexuell ist, sagte mir zum Beispiel: Der einzige Weg, den sie sah, um ihrer Familie das beizubringen, war, allen eine Ausgabe meines Romans "Affäre im Sommer" zu geben. Dann konnte sie tatsächlich sagen: Das bin ich. Das war leichter, als wenn sie einfach gesagt hätte: Ich bin homosexuell, und ihr müsst das akzeptieren.

teleschau: Darüber hinaus sind Sie auch bekannt dafür, sehr intensiv zu recherchieren ...

Joanna Trollope: Der Kern eines jeden Romans ist die emotionale Situation. Mein nächster handelt von Erbschaft, dem letzten Willen eines Menschen und wie er sich auf seine Familie auswirken kann. Ich recherchiere also sehr viel Pragmatisches, die Gesetzeslage. Und dann spreche ich mit Menschen, die so etwas schon erlebt haben. Normalerweise frage ich Bekannte: Kennst du jemanden, der vielleicht mit mir sprechen würde? Ich stelle fest, dass Menschen mir sehr bereitwillig Dinge erzählen, denn niemand wird je wissen, wer sie sind. Viele wollen auch gerne mal ihre persönliche Geschichte loswerden. Manchmal mache ich auch öffentliche Recherche - gehe zum Beispiel Clubbing oder ins Fußballstadion ...

teleschau: Seitdem sollen Sie leidenschaftlicher Chelsea-Fan sein!

Joanna Trollope: Ich liebe es! Ich kann selbst kaum glauben, wie begeistert ich bin!

teleschau: Da Sie ja eine sehr gute Beobachterin sind: Sehen Sie Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf zwischenmenschliche Beziehungen?

Joanna Trollope: Ich glaube, das ist ein echter Test für Beziehungen

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