"Miami Vice" - Nie mehr Schulterpolster

Zumindest eines lässt sich über die Kino-Neuauflage von "Miami Vice" (2006) sagen: Den Fehler, den Film in einer latent trashigen Retro-Ecke zu positionieren, ein Hohelied auf Eighties-Flitzer und geschmacklose Sakkos zu singen, vermied Michael Mann. Seine aktualisierte Version des Plots ist eine sehr moderne. Autos? Top. Waffen? Top. Optische Erscheinung der Cops Sonny Crocket und Ricardo Tubbs? Kann man auch nicht drüber meckern. Trotzdem blieb der ganz große Besucherstrom im Kino aus. 1,1 Millionen Zuschauer in Deutschland - ein Straßenfeger wie die Serie in den 80er-Jahren war die modernisierte Fassung nicht. Nun wird sie vom ZDF wiederholt.

Die angesagten Schauspieler Colin Farrell und Jamie Foxx jagen, schießen, fahren und schlafen sich routiniert durch die Karibik - natürlich aus Gründen oberster Integrität. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Undercover-Aktion, deren ursprüngliche Ziele a) die Feststellung einer undichten Stelle im Polizeiapparat und b) die Aushebelung einer mit Drogen dealenden Naziskin-Bande sind. Dafür müssen sich Crocket (Farrell) und Tubbs (Foxx) neue Existenzen als Crime-Knackis zulegen und - offenbar ein Kinderspiel - groß ins Kuriergeschäft einsteigen. Was folgt, ist ein hübsches Roadmovie durch alle relevanten Orte der Karibik.

Es entsteht zumindest gefühlsmäßig fast so etwas wie Harmonie, deren geringe Halbwertszeit allerdings allen Beteiligten klar ist. So beginnt Crocket eine Affäre mit der hübschen Isabella (Gong Li), die ihrerseits aber mit dem Boss eines großen südamerikanischen Drogenkartells liiert ist. Das alles ist aber nur ein Vorspiel, nur eine Ouvertüre. Denn der Showdown dauert eine knappe halbe Stunde und bietet so ziemlich alles, was man braucht: eine Geiselnahme, Schusswechsel, nächtliches Anpirschen, Szenen auf offener See, und zuletzt ein Beinahe-Happy-End, das seinen Schwerpunkt auf den emotionalen Status quo der beiden Bullen legt und den eigentlichen Beginn des Films aus den Augen verliert.

Solche Schwachstellen im Plot gleicht Manns Inszenierung locker aus. Er wirft emotionale Anker, die beiden Protagonisten Schwächen anhängen, kann aber auch Action: Die Nacht-Szenen sind ein bisschen so ausgeleuchtet, wie man das von diesen amerikanischen TV-Sendern kennt, die ausschließlich Verfolgungsjagden zeigen, die Schießereien wurden meisterhaft choreografiert.

Oscar-Gewinner Jamie Foxx ("Ray") ist demnächst wieder in einem Musik-Drama zu sehen. In "Der Solist" (Start: 10.12.) verkörpert er einen Obdachlosen, der einst ein begnadeter Cellist war. Colin Farrell kommt am 07.01.2010 mit "Das Kabinett des Dr. Parnassus" in die Kinos. Gemeinsam mit Jude Law und Johnny Depp übernahm er in dem Fantasy-Film die verbliebenen Szenen des plötzlich verstorbenen Heath Ledger.
Ausstrahlung am 02.11.2009 um 22:15 Uhr auf ZDF

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Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Frank Connor / 2006 Universal Studios

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