Im Jungbrunnen von Gestern: 3sat sendet eine Woche lang "Sturm und Drang" (ab 07.11.)
3sat kommt in die Jahre - schon wird der länderübergreifende Kulturkanal 25 Jahre alt, er wurde im Dezember 1984 gegründet. Grund, sich ein wenig alt zu fühlen? Hört man die Lobreden der zuständigen Intendanten (ARD, ZDF, ORF, SRG) zum Jubiläum, könnte man fast auf diesen Gedanken verfallen. Vom einstigen "Experiment" scheint wenig geblieben. Markus Schächter (ZDF) sagt, 3sat wolle "einordnen, seinen Zuschauern Orientierung geben, unterschiedliche Perspektiven aufzeigen". Der Sender sei "mehr als die Summe seiner Teile", gibt Peter Boudgoust (ARD) zu bedenken. Der ORF-Mann Alexander Wrabetz immerhin sieht den österreichischen Part als "schräg, satirisch, manchmal schwarzhumorig, jedenfalls überraschend" an. Stimmt, und das nicht nur im Falle von "Kottan ermittelt" - lange ist's her.
Nun aber steigt der so genannte "Satellitenkanal" ganz tief in den Jungbrunnen hinab. Eine ganze Themenwoche lang (07. bis 15.11.) widmet er sich dem "Sturm und Drang". Der umgetriebene Dichter Lenz,

Georg Büchner und vor allem der junge Schiller lassen grüßen. "Große Gefühle, Verzweiflung an der Gesellschaft, der Glaube ans Genialische" - kurz, alles was die aufgewühlten Dichter einst umtrieb, wird nun heraufbeschworen, gewiss auch, um den eigenen Kanal zu entstauben.
Am Samstag, 07.11., also geht's los, mit nicht weniger als drei Ausrufezeichen: "Genie! Freiheit! Leidenschaft!" heißt die Doku von Dog Freyer, mit der die Woche (20.15 Uhr) eröffnet wird. Im Zentrum steht ein "fiktives Interview" mit dem alten Goethe über seine Jugendsünden und seine "Spätere Abkehrung" vom Sturm und Drang. Man weiß es ja: Wer mit 20 kein Herz hat, hat - frei nach Russell - mit 40 keinen Verstand.
Doch so altväterlich will sich der Film nicht geben: Die Utopien von ges

tern werden auf ihre Zukunftsträchtigkeit abgeklopft. Szenisch zur Schau gestellt wird darüber hinaus der "offene Bruch mit Konventionen und dem Establishment". Daraus könnten die Jungen von heute ja vielleicht lernen.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, weiß 3sat so gut wie einst Goethe. Und so sind nun Sturm-und-Drang-Kabarett, Poetry-Slam und Schülertheater in bunter Folge versammelt - man picke sich da was heraus ("Faust I" aus dem 3sat-Zelt, 07.11., 21.15 Uhr; Poetry Slam aus Ludwigsburg, 07.11., 22.15 Uhr; "Schüler spielen Sturm und Drang", 08.11., 11.45 Uhr).
Eine neue "Lenz"-Verfilmung ist nach früheren hochwertigen Interpretationen von George Moorse bis Egon Güther (Jörg Schüttauf brillierte 1992 als aufmüpfiger Stürmer und Dränger) al

s Höhepunkt für den 10.11. (20.15 Uhr) angekündigt. Im Film (Regie: Andreas Morell) sollen sich Büchners Erzählung "Lenz", die Ideen des Sturm und Drang, vor allem aber auch Zeitgenössisches zum Bild eines Künstlers fügen, der mit seinem Scheitern das "einer ganzen Gesellschaft" vorweggenommen hat. Die Titelrolle spielt Barnaby Metschurat einen Grenzgänger zwischen Realität, Traum und Wahn. Aus der Perspektive eines Stadtmenschen, "der vom Prenzlauer Berg kommt", geht er die Rolle des Natursüchtigen an. Der Schauspieler hat für seinen Lenz "kein Abziehbild, keine Erhöhung" im Sinn gehabt.
Wer es konventioneller mag, ist bei Filmen wie "Werther" (Uwe Jansen, 2008, 11.11., 20.15 Uhr) oder "Kabale und Liebe" (Leander Haußmann, 2005, 12.11., 22.25 Uhr)
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