"Ich muss nicht erwachsen werden": Bela B. veröffentlicht sein neues Soloalbum "Code B." (02.10.)

Eigentlich heißt er Dirk Albert Felsenheimer. Vor einigen Monaten wurde er zum ersten Mal Vater. Er lebt auch nicht in Berlin, wie die "Ärzte aus Berlin" gelegentlich propagieren, sondern in Hamburg. Doch die Welt kennt ihn als Bela B., Schlagzeuger, Sänger, Songwriter der Ärzte, die gerade eine der erfolgreichsten Tourneen ihrer Bandgeschichte hinter sich haben. Nun begibt sich Bela, 46, auf Solopfade. Schon 2006 hatte er mit seiner Band Los Helmstedt das Album "Bingo" veröffentlicht. Das neue heißt "Code B", die erste Single trägt den schönen Titel "Altes Arschloch Liebe". Eine Tour im November und Dezember durch ganz Deutschland schließt sich an. Ein Gespräch über die Liebe, den Tod, die Musik und den Bohlen.

teleschau: Wie alt muss man werden, um zu erkennen, dass Liebe ein Arschloch ist?

Bela B.: Da gibt es kein bestimmtes Alter. Du musst nur oft genug enttäuscht werden. Mir ging es einfach um einen Schuldigen, wenn's schief geht. Und in dem Fall ist es eben die Liebe. Das ist eine Idee, die mir gefällt.

teleschau: Als Singleauskopplung sicher ein ideales Lied ...

Bela B.: ... das ich einen Tag, bevor wir ins Studio gingen, geschrieben habe. Aber erst, als ich den Song den anderen vorspielte, merkte ich, dass das die Single sein kann. Ich kalkuliere das beim Schreiben nicht mit ein.

teleschau: Aber wie Erfolg funktioniert, weißt Du doch aus Erfahrung mit den Ärzten.

Bela B.: Moment - was wir verstanden haben, ist nur, dass es keinen Sinn macht, nach Schema F zu arbeiten. Genau das halten uns auch die Fans zugute. Dass wir eben nach unserem größten Erfolg, "Männer sind Schweine", nicht noch einmal so ein populistisches Lied geschrieben haben, das auch beim Après-Ski funktioniert. Wenn wir das gemacht hätten, da bin ich mir sicher, hätte es unseren Fortbestand gefährdet. Wir lassen uns da auch nicht reinreden. Bei den Ärzten sind wir drei die einzigen Geschmacksrichter. Und bei meiner Soloplatte entscheide ich alleine.

teleschau: Ist das auch ein Grund, warum Du Dein Soloprojekt weiter vorantreibst?

Bela B.: Natürlich ist das ein Ego-Trip. Ich habe gemerkt, dass mich die erste Solo-Platte in den Schoß der Musik zurückführte. Durch "Bingo" kam die Sicherheit zurück, dass das alles noch mein Ding ist. Ich setze mich dann einfach mehr mit Musik und damit auch mehr mit mir selbst auseinander.

teleschau: Auf Deiner CD ist die Liebe das dominante Thema. Gibt's nichts anderes zu erzählen?

Bela B.: Es ist eben so, dass der zwischenmenschliche Bereich in Pop und Rock dominant ist. Auch wenn Menschen Hass in sich spüren, ist Liebe letzten Endes das Thema. Und außerdem hat auch jede Metalband ihre Love-Songs. Außer Slayer natürlich.

teleschau: Eine Ausnahme ist "schwarz / weiß", ein Lied, in dem es darum geht, dass heutzutage die Orientierung schwerer fällt als früher, als viel mehr in Schwarz und Weiß eingeteilt war.

Bela B.: Es ist ja auch heutzutage unglaublich schwer. Andererseits haben Intellektuelle über Jahre hinweg dafür gekämpft, die Welt eben nicht mehr nur in Schwarz und Weiß einzuteilen. Wobei ich zugeben muss, dass ich das ach so moderne Verständnis für alles und jeden manchmal einfach nur fehl am Platze finde

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