Claudine Wilde: Zwischen Kita und Kamera
Von der Yogamatte zur Arztpraxis, weiter in den Kindergarten, zur Kinderkrippe, zurück in die Waschküche ... Den ganz normalen Morgen-Marathon einer Single-Mama hat Claudine Wilde hinter sich, als sie später am Vormittag eine Pause in ihrem Haus in Hamburg einlegt, um als Schauspielerin ein Interview zu geben. "Ich habe ein buntes, fröhliches, harmonisches, aktives, anstrengendes - ein erfülltes Leben", erklärt die 42-Jährige, die kürzlich ihre Trennung von Ehemann Tomás Kanok verkündete. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Familienalltag als Kind und nun als Mutter und erinnert sich zur Ausstrahlung ihres nächsten Films "Schwarzwaldliebe" (Fr., 09.10., 20.15 Uhr, ARD) an andere Umbruchphasen im Leben: "Als Frau fragt man sich in einem gewissen Alter: Was brauche ich? Was will ich? Bin ich wirklich glücklich? Das, was man will, baucht man oft gar nicht."
In dem TV-Film, dessen Titel Claudine Wilde so "unzeitgemäß" findet, dass es "schon fast wieder Provokation" sein könnte, verschlägt es eine taffe Rechtsanwältin auf einen Bauernhof im Schwarzwald. Do

rt verliebt sie sich nicht nur in den Bauern, sondern gleich in die ganze Familie und das Landleben - und krempelt ihr Leben um.
"Das kenne ich auch", sagt die Hauptdarstellerin. "Ich jettete jahrelang durch die Gegend, drehte viel in Frankreich - das merkte in Deutschland nur niemand. Ich spielte Theater mit den für mich Größten." Mit Michel Bouquet und Claude Brasseur stand sie Anfang des Jahrtausends in "Der Fall Furtwängler" auf der Bühne. "Da müsste man eigentlich stolz sein und sich freuen ... Trotzdem war ich unglücklich." Etwas Wesentliches habe gefehlt: "Ich hatte Sehnsucht nach einer Familie." Heute teilt sie einen naturgemäß turbulenten Alltag mit Kolya (3) und Christopher (1) - und legt bei ihrer Aufgabe als Mutter mindestens den gleichen Ehrgeiz an den Tag.
Noch eine Parallel

e zur Anwältin, die als Nachfolgerin ihres Vaters die Kanzlei übernehmen soll, stellte die deutsch-französische Schauspielerin, die ab dem neunten Lebensjahr in Aix-en-Provence aufwuchs, fest. Auch sie habe sich irgendwann gefragt: "Tue ich eigentlich nur das, was mein Vater von mir erwartet?" Als Jugendliche war Claudine Wilde Hochleistungssportlerin und eine der 15 schnellsten Läuferinnen Frankreichs. Papa trainierte sie. Zu Hause buhlten vier Kinder um die Aufmerksamkeit des Anästhesisten. "Durch den Sport bekam ich noch mehr Zeit mit ihm." Gemeinsam mit der ein Jahr jüngeren Schwester rannte Claudine Wilde täglich. Disziplin hat sie früh gelernt. "Am Ende merkte ich aber, dass ich in der ganzen Zeit auf meine Freunde verzichtet hatte." So entschied sie sich als 19-Jährige für Schauspiel, Gesang und

Tanz.
Trotzdem: einmal Sportler, immer Sportler. "Auch mit meinen zwei Kindern jogge ich fast täglich." Dann setzt sie die zwei Blondschöpfe in den Kinderwagen, "und los geht's zum Spielplatz! Während der Fahrt spielen die beiden, sagen allen Hallo, und ich komme wenigstens noch zu meinem Training." Und ohne 15 Minuten Yoga nach dem Aufstehen geht ohnehin gar nichts. "Das gehört für mich dazu wie Zähneputzen! Dafür brauche ich allerdings auch keinen Kaffee, um fit zu werden."
Freundschaften, Job, zwei Kinder und Sport unter einen Hut bekommen ... ein Kraftakt für Alleinerziehende. "Ich habe mir ein Jahr Zeit gegönnt, um mich neu zu ordnen und zu organisieren
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