Abschied vom Fahnder der Nation: "Aktenzeichen XY"-Erfinder Eduard Zimmermann ist tot

Auch wenn seine stoische Aura bisweilen den Anschein vermittelte: Der Mann, den seine Fans liebevoll "Ganoven-Ede" nannten, war kein Beamter. Eduard Zimmermann, Erfinder und langjähriger Moderator der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst", kann man getrost einen der effektivsten Verbrechensfahnder der Nation nennen. 568 Mörder, 579 Räuber, 459 Betrüger und 142 Einbrecher gingen ihm in Zusammenarbeit mit Polizei und Fernsehpublikum in exakt 300 "Aktenzeichen"-Folgen ins Netz. Kaum zu glauben, dass der gewissenhafte Fernseh-Sheriff "von Haus aus ein fauler Mensch" gewesen sein will. Am Samstag ist Eduard Zimmermann im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatstadt München gestorben.

Auf ziemlich genau drei Jahrzehnte Fahndungsarbeit brachte es Zimmermann. Er wurde mit Polizeiorden, dem Adolf-Grimme-Preis, der Goldenen Kamera und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, hängte Kritiker ("Menschenjagd!") mit Geduld und Ausdauer ab. Was zählen kleine Niederlagen wie die Absetzung seiner Sat.1-Produktion "K - Verbrechen im Fadenkreuz" gegen die statistisch festgehaltenen Erfolge für Ordnung und Recht?

Am 20. Oktober 1967 hatte mit der "Toten im grünen Minikleid" alles begonnen. Mit der Frage "Wer kennt diese Frau?", wandte sich Zimmermann ans zahlreiche Publikum vor den Fernsehgeräten. Rund 25 Jahre, bevor das TV-Genre "Reality" in Mode kam, hatte es der Münchner bereits aus der Taufe gehoben. Wenngleich ihm der Vergleich nicht behagte. Um Voyeurismus ging es Zimmermann nie. Nur um die Aufklärung der Fälle. Und um die Opfer. 1976 rief er daher den "Weißen Ring" ins Leben, eine Organisation, die sich seither höchst effektiv um Verbrechensopfer kümmert.

1997 beendete Zimmermann die Arbeit vor der Kamera. Butz Peters und ab 2002 Rudi Cerne beerbten den Moderator bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Und seine Adoptivtochter Sabine Zimmermann übernahm seine zweite ZDF-Sendung "Vorsicht Falle!", ein Aufklärungsformat über Trickbetrüger, das 2001 zum letzten Mal ausgestrahlt wurde.

Sorge vor Racheakten überführter Straftäter machte sich Zimmermann nach eigener Aussage nie. Zumal er auf überaus bewegte Jugendjahre zurückblickte. Als 20-jähriger Journalist wurde er nach einem Interview mit der antikommunistischen "Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit" in der sowjetischen Besatzungszone geschnappt und zu 25 Jahren Haft verurteilt. 1954 wurde der Häftling von den Sowjets begnadigt, arbeitete in Hamburg als Journalist und Groschenheftautor. 1959 ging er zum NDR, drei Jahre später dann zum ZDF.

ZDF-Intendant Markus Schächter würdigte Eduard Zimmermann für seine Pionierleistung und seine Integrität: Stets habe er "seine Werteorientierung zum Maßstab seiner Arbeit gemacht. Es ging ihm nicht allein um die Bekämpfung der Kriminalität. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Opfer von Verbrechen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurden."

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Autor: Johann Ritter/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Hermann Roth ZDF / Peter G. Neubarth ZDF / R. Friedl ZDF / Thomas R. Schumann

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