"300" - Viel Blut, viele Pixel

Mut und Stärke, Ehre und Ruhm, Kampf und Tod - aus diesen Schlagwörtern setzen sich nicht nur die meisten Manowar-Songs zusammen, sondern auch nahezu alle Monologe in Zack Snyders blutiger Schlachtplatte "300". Die Verfilmung eines Frank-Miller-Comics ("Sin City") über eine antike Schlacht an den Thermopylen war bereits 2005 abgedreht und wurde 2007 bei der Berlinale von den Kritikern zerrissen. Zu Unrecht. Kino muss nicht immer Sinn machen, darf aber faszinieren und verführen. Also ist "300" vor allem ein die Augen und Ohren anregendes Filmerlebnis, das mit seiner schieren Bild- und Soundgewalt schlicht umwerfend ist. Knapp 1,7 Millionen Kino-Zuschauer wollten sich das hierzulande nicht entgehen lassen. Nun lässt ProSieben die Spartaner in der Free-TV-Premiere los.

"300" bedient sich - trotz antiken Hintergrunds - modernster Computertechnik. Alle Einstellungen wurden vor einem Bluescreen im Studio aufgenommen. Die Landschaften, das Blut, der Himmel und Heere, die bis zum Horizont reichen, wurden später Frame für Frame digital hinzugefügt. Das Ergebnis wirkt artifiziell, aber auch atemberaubend: "300" ist eine spektakuläre, bis ins Detail choreografierte Gewaltorgie, die in desaturierten Sepia-Farbtönen badet und die visuelle Verfremdung regelrecht zelebriert.

Grob an die Überlieferungen des griechischen Historikers Herodot angelehnt, erzählen Comic und Film von der Schlacht bei den Thermopylen, bei der 300 Spartaner unter der Führung ihres Königs Leonidas (Gerard Butler, war zuletzt an der Seite von Katherine Heigl in der RomCom "Die nackte Wahrheit" im Kino zu sehen) eine gewaltige Übermacht persischer Invasoren zwei Tage lang aufhalten konnten. Mythos rangiert hierbei klar über Zahlen. Ob nun eine Million oder 170.000 Perser, wie heute vermutet wird, an dem Engpass festgenagelt wurden, ist letztlich aber egal.

Erst, als die bis zur letzten Muskelfaser gestählten Spartaner von einem Ausgestoßenen ans Messer geliefert werden, wendet sich das Blatt. Die historische Figur Ephialtes (griechisch für Verräter, Albtraum) hat es wohl nie gegeben. Das Böse ist hier leicht auszumachen. Es ist geradezu grotesk hässlich, von Verwesung gezeichnet oder pervers verstümmelt. Darüber hinaus scheint König Xerxes (Rodrigo Santoro) Teile seiner Truppen direkt in Mittelerde rekrutiert zu haben.

Natürlich war alle Welt von den einzigartigen optischen Eindrücken überwältigt. Von der wuchtigen Inszenierung, die dem Betrachter nur selten eine Atempause gönnt. Und von der Brutalität. Zack Snyder legt jedoch eine andere Art von Comic-Verfilmung vor als sein "Sin City"-Kollege Robert Rodriguez. Manche Passagen des gezeichneten Abenteuers setzt er Panel für Panel um, bei den Dialogen bedient er sich nahezu ausschließlich der knappen, überzogenen Comic-Sprache. Gleichzeitig lässt er aber seinen Figuren noch genügend Raum, um der Zweidimensionalität ihres ursprünglichen Seins zu entfliehen.
Ausstrahlung am 01.11.2009 um 22:25 Uhr auf ProSieben

Zur Bilder-Galerie



Autor: Gerd Hilber/teleschau - der mediendienst
Bilder: ProSieben / Warner Bros. Entertainment

Weiterführende Links


Tageshoroskop bei Yahoo!
 
Lifestyle RSS Feed
Lifestyle auf mein Yahoo!
Die häufigsten Fragen zu RSS 
 
 
Copyright © 2009 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten
Wir über uns - Hilfe - Jobs@Yahoo! - Yahoo! Services - Datenschutz - AGB - Impressum - Copyright-Richtlinien