"Wir haben uns gefunden": Junge Schweden mit individuellem Rock
(tsch) "All They Ever Wanted" ist ein tolles Album, eines, das man nicht fassen, schwer einordnen, geschweige denn kategorisieren kann. Das freut die Musiker, da setzen sie ihr breitestes Grinsen auf. Und sie werden auch nichts sagen, keine Hilfestellungen, nein, sie orientieren sich an niemandem. Da lassen sie die Frage mal ins Leere laufen. Individualität, das ist das höchste Gut im Musikgeschäft. Solche Komplimente braucht eine junge Band, sie grinsen immer noch. Was eine Band aber auch braucht, wäre Sauerstoff.
Der Raum, in dem John Engelbert und Ossi Bonde seit vermutlich mehreren Stunden sitzen, ist bis oben hin vollgequalmt, Atmen kann man gleich lassen, und Fenster gibt es keines. Der Aschenbecher könnte

Geschichten erzählen. Doch er ist damit beschäftigt, nicht vollends aus der Fasson zu kippen, mühsam hält er sein Türmchen. Versucht nicht überzuquillen. Das tun die beiden Schweden auch nicht gerade. Man merkt, dass sie eigentlich nette und gesprächige Menschen wären. Aber sie können einfach nicht mehr. John, der 25-jährige Sänger, starrt immer wieder wie ausgeschaltet vor sich hin, und das Einzige, was an Ossi (28) noch frisch ist, sind seine türkisfarbenen Socken.
Rauchen ist in Schweden schon lange nicht mehr, sagt Ossi, und das sei okay. Die Klamotten stinken nicht mehr so und der Kater am nächsten Tag sei weniger schlimm. Was niemanden abhält, den Interviewtag in Deutschland zum Hangover zu deklarieren. Weit energischer zeigt sich John in der Tourvorbereitung. Der erst

e Weisheitszahn wurde ihm gerade gezogen, prophylaktisch, damit er keinen Ärger während der Tour macht. Vor zwei Jahren hat er dasselbe mit seinem Blinddarm gemacht. Er zeigt die große Narbe. Da meint es einer ernst mit der Musikkarriere.
teleschau: Könntet Ihr Euer Album mit einer Farbe beschreiben?
John (zeigt auf seine Hose): So ein dunkles Lila, ein Mix aus Schwarz und Rot. Das erste war übrigens grün, wir waren ja Anfänger, hatten keine Ahnung. Ossi und ich spielten es nach drei Live-Shows ein. Vor diesen Monaten mit ihm habe ich noch nie mit jemand anderem außer mir selbst gespielt.
Ossi: Und wir hatten keine Ahnung, dass wir ins schmutzigste Business der Welt eingestiegen sind.
teleschau: "All They Ever Wanted" klingt, als habt Ihr es in einem Stü

ck erarbeitet.
Ossi: Das war auch so, es ist alles in zehn Tagen passiert. Wir haben uns ein Appartment genommen, direkt über dem Studio in Stockholm, sind aufgestanden und gingen ein Stockwerk tiefer.
John: Den Livesound ins Studio zu bringen war unser Hauptaugenmerk. Denn in dem Bereich haben wir in den letzten drei Jahren viel gelernt. Ansonsten verfügen wir weder über Konzept, geschweige denn eine Anleitung für andere. Wir haben einen ganz guten Geschmack, deswegen vertrauen wir darauf, dass andere unser Album auch mögen.
teleschau: Also legst Du Deine Persönlichkeit in die Songs?
John: Ja, schon. Die Texte verraten einiges. Der Sound kompensiert unsere ganze Energie, die Aggression fließt in die Behandlung der Instrumente ein
1
·
2
·
3