"Metallica: Some Kind of Monster" - Gruppentherapie mit voller Dröhnung

(tsch) "Metallica: Some Kind of Monster" (2003) hätte eigentlich nur eine begleitende PR-Maßnahme für das letzte Studio-Album der Band ("St. Anger") werden sollen. Stattdessen wurden die Filmemacher Joe Berlinger und Bruce Sinofsky über mehr als zwei Jahre hinweg Zeuge der Selbstfindung einer angeschlagenen Kult-Band und ihrer zerstrittenen Mitglieder. Ein Psychologe wurde engagiert, der - für knapp 40.000 Dollar im Monat - in einer Art Gruppentherapie die Musiker wieder zueinander führen sollte. ARTE zeigt das Porträt deshalb im Rahmen des Themenabends "Harte Männer auf der Couch".

Auch wenn man merkt, dass "Some Kind of Monster" eine Auftragsarbeit ist, machen Berlinger und Sinofsky einen passablen Job und weichen den Musikern nicht mehr von der Seite. Dabei hatten Metallica in der Entstehungszeit von "St. Anger" eine Menge Trouble. Unerwartet war der langjährige Bassist Jason Newsted ausgestiegen - "aus persönlichen Gründen sowie den körperlichen Schäden", die er sich jahrelang selbst zugefügt habe. Hinzu kam die Drogentherapie des Leadsängers James Hetfield, der eines Tages einfach den Raum verließ und erst Monate später zurückkehrte.

Geduldig und unaufgeregt beobachtet die Kamera die dynamische Entwicklung der Band, die nicht zuletzt auch künstlerisch neue Wege beschreiten musste, um wieder zu einer Einheit zu werden. Doch im Mittelpunkt stehen die Menschen, ihr neues Kennenlernen untereinander, ihre kreative Konkurrenz und der Druck, der von außen aufgebaut wurde. Druck, der zu Wut wurde und raus musste. Es ist der Band hoch anzurechnen, dass sie den Film durchgezogen hat, denn Sympathien baut diese Egomanen-Versammlung wahrlich nicht auf.

Berlinger und Sinofsky trafen, wie sie selbst sagen, "Männer mittleren Alters, die Häuser gekauft haben, eine Familie haben, Kinder aufziehen. Und wir waren daran interessiert die Persönlichkeiten von Menschen auszuleuchten, die bis dato ihr gesamtes Erwachsenenleben lang als Berühmtheiten verbracht haben". Das vorläufige Ende der Geschichte ist inzwischen bekannt: "St. Anger" wurde veröffentlicht, verschreckte Schmuserocker, die Metallica niemals richtig kannten, vereinte aber die Heavy-Metal-Gemeinde in nie gekannter Zahl und katapultierte sich mit brachialer Gewalt in über 50 Ländern in die Top Ten. Eine erfolgreiche Tour durch Europas große Stadien schloss sich an. Derzeit arbeitet die Band an einem neuen Album und ist einer der Headliner bei den Sommerfestivals "Rock im Park" und "Rock am Ring".
Ausstrahlung am 04.05.2008 um 22:25 Uhr auf ARTE Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder: ARTE F / Annamaria DiSanto

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