Martin Wißner: Lieblingsrolle: Parzival

(tsch) Diesmal sind die Erwartungen an die Kommissare Tauber Und Obermeier besonders hoch gesteckt: so grausam ist die Tat, so perfekt scheinen die Killer. Ist womöglich sogar ein Serientäter am Werk? - Und weil der Staatsanwalt und die Presse sehr viel Druck machen, liegen die Nerven blank. Besonders bei Kommissar Tauber, der in diesem Münchner "Polizeiruf 110" ("Wie ist die Welt so stille", So., 13.04., ARD, 20.15 Uhr) fast die Nerven verliert. Sogar mit körperlichem Einsatz geht er die Opfer an, beschuldigt sie der Tat bis zum Exzess. Einer ist ihm besonders verdächtig: ein Junge von nebenan. Ist die Bluttat auf eine homosexuelle Beziehung zurückzuführen, eine blutige Abwehrtat? Martin Wißner spielt diesen verstörten Nachbarsjungen in seinem allerersten Film. Mit gebotener Undurchdringlichkeit und Verschlagenheit - und der ganzen Hilflosigkeit eines Pubertierenden.

In Wahrheit ist Martin Wißner, 1985 in Augsburg geboren, älter als der Junge im Film, aber er spielt diesen Verletzten, Verschlagenen, den der katholisch-bigotte Vater seit Langem quält, einfühlsam und schnörkellos. Ein erstaunliches Debüt für einen, der zuvor noch nicht vor der Kamera stand.

Freilich: Ausgebildeter Schauspieler ist Wißner schon. Bis 2003 studierte er an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Gleich nach dem Abschluss kam er ans Hamburger Deutsche Schauspielhaus - was für ein Start ins neue Leben.

Nach der Vorführung des "Polizeirufs 110" in München zeigt sich Wißner ganz zufrieden. Sieben Drehtage hatte er. Jetzt bewundert er ganz besonders die Ermittler, die "so anders sind und nicht immer gleich alles auf Anhieb hinkriegen wie die anderen Kommissare". Er selbst hat sich beim Spielen vorgenommen, "ganz einfach die Polizei zu verwirren, aber auch die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken". Sehr ausführlich war das Casting gewesen, zu dem er eingeladen war. Sonst werde meist "nur kurz gequatscht", hier aber hatte er mit einem Partner Kommissar und Verdächtiger im Verhör gespielt, während des Castings hatten sie dabei auch schon mal die Rollen getauscht. Auch die harten Szenen aus dem Film waren schon dabei - er hatte vor "Tauber" und dessen Pistole auf dem Boden gekniet.

Wie es bei der Vorführung war, sich selbst im Film zu sehen? - "Ich hab's mitgemacht", sagt Wißner. "Ich habe alles wieder mitgespielt und musste viel lächeln dabei." Wiederholt werden musste beim Drehen kaum, jedenfalls nicht seinetwegen. Die Texte saßen, "nur die Beleuchtung musste manchmal verbessert werden". Und er glaubt: "Als Schauspieler darf man sich ja Fehler erlauben, schlechter ergeht's da dem Beleuchter oder dem Kameramann." Derzeit spielt er am Schauspielhaus in Otfried Preußlers "Krabat" mit, er ist da ein Betteljunge, "der ein bisschen Ähnlichkeit mit Harry Potter hat". Es war das Weihnachtsstück des Theaters. Die ganz harte Schule, 40 Vorstellungen im Dezember - vormittags, nachmittags und abends.

Schon aber sind auch die höheren Weihen des Theaters über Wißner gekommen: Mit Simon Stephens Stück "Pornographie", einer Uraufführung ist das Ensemble zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Er sei, sagt Wißner in der für ihn typischen Bescheidenheit, "da so reingerutscht. Jemand anderes ist ausgefallen." Weshalb er nun einen psychopathischen Jugendlichen spielt, der die von ihm geliebte Lehrerin verfolgt. In Hamburg gefällt es ihm, er wohnt dort, "in diesem Problemviertel gleich hinterm Bahnhof, direkt beim Schauspielhaus"

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