Kathryn Morris: Mit Herz und Handschellen

(tsch) Sie ist zart, fast zerbrechlich, "sanftmütig", wie sie sagt, und strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie wieder einmal herzhaft lacht. Kathryn Morris ist eine Bilderbuchfrau. Dass gerade dieses feengleiche Wesen immer wieder in Rollen für Aufmerksamkeit sorgt, in denen sie ihre taffe, starke, männliche Seite in den Vordergrund stellen muss, das ist schon sehr verwunderlich. Ihren Durchbruch schaffte sie als Marine in der Militär-Serie "Pensacola: Flügel aus Stahl" (1997). Doch den ganz großen Wurf landete die inzwischen 39-Jährige mit der blonden Mähne sechs Jahre später, als sie die Hauptrolle in dem Krimi-Dauerbrenner "Cold Case - Kein Opfer ist je vergessen" (ab 07.05., mittwochs, 21.15 Uhr, ProSieben) ergatterte. Seither begeistert sie als kühle, aber sensible Kommissarin, die scheinbar unlösbare Fälle mit Herz und Verstand doch noch aufklärt.

"Ich bin von Natur aus eher schlank gebaut", sagt sie selbst. "Nur ein paar kleine Muckis anzutrainieren, ist für mich schon harte Arbeit." Aber auf die kommt es bei ihrer Rolle auch nicht wirklich an. Vielmehr sind es "Emotionalität und Menschlichkeit", durch die Kommissarin Lilly Rush bei ihren Ermittlungen punkten kann. Sind Frauen nun die besseren Cops? Wohl nicht unbedingt, findet die Schauspielerin, "aber mit ihrer Intuition besitzen sie eine zusätzliche Fähigkeit, sich heranzutasten. Und sie dürfen emotional sein - viel mehr, als es die männlichen Kollegen sein dürfen."

Im Gespräch merkt man, wie gerne Kathryn Morris Teil dieser besonderen Crime-Serie ist. Lachend erklärt die Schönheit, dass sie sich "mit einer Knarre nicht mehr so girlie-mäßig" fühlt, sondern "wie eine richtig coole Sau". Doch andererseits hat diese Rolle auch etwas Belastendes, und so versucht sie, den Part in ihrer Freizeit hinter sich zu lassen, Freunde zu treffen, ins Kino zu gehen oder einfach nur "vor der Glotze zu hängen". "'Cold Case' ist eine sehr intensive Serie, und nach den Dreharbeiten möchte ich manchmal einfach nur lachen, um zu entspannen. Wenn ich Episoden über Kindesmissbrauch und -mord drehe, will ich das anschließend ganz schnell vergessen."

Oft bekommt die Wahl-Kalifornierin, die in Texas und Connecticut aufwuchs, in L.A. Besuch von ihren fünf Geschwistern. "Ich bin das Sandwich-Kind", sagt sie. "Also bei der ersten Familie war ich die Jüngste und in der zweiten dann die Älteste. Ich fühle mich sogar heute noch so, als wäre ich die Mutter meiner jüngeren Schwestern." Gemeinsam mit ihrer großen Familie begann für Kathryn Morris auch einst ihre Karriere im "Showbiz" - wenn man es so nennen will. "Als ich klein war, reisten wir quer durch Amerika und sangen Gospels. Das war allerdings nicht professionell, und so erwartete auch niemand von mir, dass ich viel Geld damit mache." Außerdem hält sie sich noch heute für die untalentierteste Sängerin der Gruppe.

Ihre wahre Berufung fand Kathryn Morris aber wenig später. Seit ihrer ersten Filmrolle im Jahr 1991 musste sie jedoch lange auf ihren Durchbruch warten und einige Rückschläge hinnehmen - etwa, als ihre Rolle im Steven-Spielberg-Film "A.I. - Künstliche Intelligenz" komplett herausgeschnitten wurde. "Ich hoffe, ich habe eine lange Karriere, während der ich mit vielen großartigen Menschen zusammenarbeiten kann", sagt die quirlige, aber bodenständige Schauspielerin, die immer mal wieder auch kleinere Rollen in Kinofilmen ("Minority Report", "Paycheck", "Mindhunters") übernimmt

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