Jim Sturgess: Der Junge neben den großen Stars
(tsch) "Oh, nein, ich kauf keine sehr teuren Klamotten", lacht Jim Sturgess und blickt an sich herab. Auf sein beige-braun kariertes Hemd, nicht wirklich Holzfäller, aber auch weit entfernt von jedwedem Designer-Look. Nein, so chic wie seine Figur in "21" (Kinostart: 10.04.) ist der 26-Jährige nicht. Er ist Engländer, kein Glamourtyp. Optisch eher Musiker denn Schauspieler. Las Vegas fand er grauenhaft, harrte dort sechs Wochen wegen des Drehs aus, an der Seite von Kevin Spacey, dem der harmlos wirkende Newcomer Paroli bot. Seine Karriere sieht gerade sehr vielversprechend aus. Beim nächsten Mal wird er es sich vielleicht schon überlegen, ob er im Interview so etwas sagt wie: Mein Hobby? Alkohol.
Die Vermutung liegt nahe, dass auch am Abend vor dem Interview das ein oder andere Pint floss. Jedenfalls sieht Jim Sturgess ein wenig zerstört aus. Seine Haare haben heute noch keinen Kamm gesehen, b

lass nimmt er am Berliner Roulettetisch Platz. Er fischt einen Orangensaft aus seiner Jackentasche, kuckt ein wenig entschuldigend und sagt "Das brauche ich jetzt".
Nach dem hoch gelobten "Across The Universe" wird Sturgess "21" eine Menge mehr an Aufmerksamkeit bringen als vor wenigen Monaten das Beatles-Potpourri an der Seite von Evan Rachel Wood. Diesmal steht an seiner Seite Kevin Spacey, den man lange nicht mehr im Kino gesehen hat - und Jim Sturgess, dieser Nobody mit dem unwiderstehlichen Leinwandgrinsen, zieht dennoch die Blicke auf sich, macht die Entwicklung vom schüchternen Mathegenie zum erfolgreichen Casino-Zocker plausibel. Es geht um einen Mathematikprofessor (Spacey), der eine Gruppe von Schülern trainierte, um mit ihnen beim Blackjack im Casino die Bank zu knacken -

dank eines mathematischen Systems.
Diese Zockerbande gab es wirklich, Jim durfte sich im Vorfeld mit seinem Pendant treffen. Sieben Jahre lang erleichterte der mit seinen Kommilitonen durch Mitzählen beim Kartenspiel die Casinos in Las Vegas um eine Menge Geld. Heute ist er Mitte 30, arbeitet für eine Sportfirma im Internet, so genau weiß Sturgess das nicht. Nur dass er nicht mehr spielt, wäre auch schwierig, denn sein Gesicht hängt in allen Casinos in Vegas. An den Blackjack-Tisch darf er nicht, ansonsten hat er freien Zutritt wie alle anderen Besucher auch, da sind die Bosse des Glücksspiels tolerant.
Diese Art der Verführung, die Lust aufs große Geld entspricht so gar nicht dem Naturell des englischen Schauspielers. Er mochte nicht einmal Las Vegas. "Das ist ein amerikanisc

hes Phänomen. Wir waren da einfach zu lange, drei, vier Tage sind okay, aber nach anderthalb Monaten willst du aus diesem gottvergessenen Höllenloch nur noch raus." Er steckt sich den Finger in den Hals, zumindest deutet er das an. "Diese künstliche Welt ist nur darauf ausgerichtet, dich zu verführen, dein Geld zu nehmen. Ich finde, diese Mathestudenten haben das Recht, dort zu gewinnen, wenn ihre Fähigkeiten das erlauben."
Er selbst verstehe allerdings nicht, wie man so auf Geld aus sein könne. Er habe mit dem Film in erster Linie seine Eltern glücklich machen können, indem es so aussieht, als sei er ein Mathegenie. Er zeigt wieder, wenn auch etwas müde, dieses smarte Leinwandgrinsen
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