"Generation Model" - Ein Laufsteggott aus Eisenach

(tsch) Der schöne Schein ist angesagt wie nie. Wenn "Germany's next Topmodels" über den Laufsteg stolzieren oder einfach nur fallen, schießen die Quoten bei ProSieben in Schwindel erregende Höhen. Bei all dem Fashion-Fanatismus - was Heidis Mädels im harten Business wirklich einmal erwartet, das wissen wohl nur die wenigsten. Der Abiturient Paul aus Eisenach erlebte am eigenen Leib, wovon die Noch-Nicht-Nachwuchsmodels bislang nur träumen können: Von jetzt auf gleich arbeitete er für die Großen der Branche. Eine Casting-Show musste er dafür nicht über sich ergehen lassen. Während eines Praktikums in Berlin wurde der Schüler in der Mittagspause von einer Agentur entdeckt. Mit Anne-Kristin Jahns Dokumentarfilm "Generation Model", der Pauls Leben zwischen zwei völlig verschiedenen Welten begleitet, führt das ZDF seine "kleine Fernsehspiel"-Reihe "Der schöne Schein" fort.

In einem Zug von Berlin nach Thüringen traf die 1977 geborene Filmemacherin, die mit dem ZDF-Beitrag ihr Fernsehdebüt gibt, auf ihren außergewöhnlichen Protagonisten. Damals hatte der Junge mit den langen blonden Haaren und den markanten Gesichtszügen den Verkehr aufgehalten. "Weißt du, warum der Zug erst jetzt abgefahren ist? Wegen mir! Mein Flug aus London hatte Verspätung", erklärte er ihr im Abteil. Paul kam von einem Shooting mit dem Hollywood-Starfotografen Nick Night und musste unbedingt nach Eisenach: zur Matheklausur.

Von da an ließ seine Geschichte Anne-Kristin Jahn nicht mehr los: Wie sieht es aus - ein Leben zwischen Glamour und Provinz, zwischen den Modemetropolen der Welt und dem letzten unsanierten Haus der Straße, in dem der Schüler mit seiner Familie wohnt? Was wird seine unerwartete Karriere mit Paul anstellen? - Dem Jungen, "dessen Eltern Punks waren und der in diesem Eisenacher Haus mit den offenen Türen wie auf einer Insel im Nachwendemeer aufgewachsen ist", wie die Regisseurin es so anschaulich formuliert.

80 Minuten lang zeigt die Dokumentation das erfolgreiche Nachwuchsmodel und porträtiert dabei einen erstaunlich reflektierten jungen Menschen, der alles mitnehmen will, aber gleichzeitig mit seinen Freunden zu Hause kaum über seine Jobs sprechen kann - zu groß wäre der Neid. Ein Junge, der weiß, dass er wie ein Produkt behandelt wird, aber immer noch nicht völlig begriffen hat, was da eigentlich mit ihm passiert und ob es ihm überhaupt guttut. "Es ist seltsam", gesteht er der Filmemacherin. "Ich hatte immer meine Ideale, und plötzlich merke ich, wie ich mittendrin stehe in einer Gesellschaft, die ich nie wollte."
Ausstrahlung am 05.05.2008 um 00:10 Uhr auf ZDF Autor: Ute Nardenbach/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Hanno Kunow

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