Eigentlich langweilig: Schräge Talk-Nicht-Show: Frank Baumanns "Ein Fisch für 2" startet am Mi., 16.04., 22.25 Uhr, 3sat

(tsch) "Eine Angel ist ein Stock mit einem Haken an einem Ende und einem Narren am anderen", sagt ein Sprichwort aus Großbritannien. Mal sehen, ob's stimmt, dachte sich womöglich der in Sachen Angelfischerei bis dato gänzlich unbewanderte Moderator, Komiker und TV-Produzent Frank Baumann, als er auf die Idee für ein Fernsehformat kam, das einen auf Anhieb am Verstand der Programmverantwortlichen zweifeln lassen möchte. Mit Promis Angeln gehen, in einer Sendung, die einfach sagt: "Mal sehen, was passiert", das klingt einigermaßen gaga. Aber im Grunde ist es schon in Ordnung, dass der Dreiländerkanal 3sat sich nicht umsonst mit dem Sendercredo "Anders fernsehen" brüstet und mit "Ein Fisch für 2" ein Zeichen setzt. Gegen das Spektakel. Gegen das laute Gebrüll der anderen. Gegen das Tempo. Und vor allem gegen den Zeitgeist, der diesen wunderbaren Anachronismus leider im absoluten Quotennichts belassen wird. Hip ist sicher etwas anderes, aber Baumans Ufergespräche könnten das Zeug zum Kult für Liebhaber haben.

"Gibt es etwas Langweiligeres als Angeln?", wird Baumann in einem auf seiner Homepage nachzulesenden Interview gefragt. Seine Antwort: "Andern beim Angeln zuschauen, ist noch langweiliger." Dabei ist der Mann im Beruf auch noch PR-Berater und Texter.

Ja, seine Sendung (los geht's am Mittwoch, 16. April, 22.25 Uhr, mit einem im Gegensatz zu Baumann wirklich passionierten Angler: Burgschauspieler Peter Simonischek) sei wohl wirklich ein bisschen langweilig. "Aber auch ein bisschen unterhaltend. Manchmal sogar sehr spannend und verblüffend. Vielleicht sogar lustig. Und schräg. Sehr schräg. Aber eigentlich langweilig."

Aber keine Angst. Selbst hier wird noch fernsehgerecht gearbeitet. Auf knackige 30 Minuten sind die Zusammenschnitte der vielstündigen Angelausflüge Baumanns mit seinen durchwegs männlichen Gesprächspartnern komprimiert.

Da hat Werner Schmidbauer, der sich ebenfalls mit prominenten Gästen im Bayerischen Fernsehen sechsmal im Jahr zum "Gipfeltreffen" begibt (nächste Sendung: Donnerstag, 01.05., 18.00 Uhr) eine Viertelstunde mehr Zeit. Zwei vergleichbare Formate sicherlich, und doch wieder nicht: Während Schmidbauer den fokussierten, journalistischen Fragesteller gibt, will sich Frank Baumann da überhaupt nicht festlegen lassen. Sein Ansatz ist ein ganz relaxter: "Ein Fisch für 2" sei kein Comedy-Format und auch keine klassische Talk-Show mit Fragen und Antworten, lässt er wissen. "Es gibt kein Drehbuch und keine Absprachen, alles ist improvisiert. Was passiert, passiert - oder eben nicht. Geduld ist gefordert - Aktionismus verpönt."

Man könnte spekulieren, dass sich Baumann, der Ende der 90-er mit seiner provokanten Medienpersiflage "Venti" die Schweizer Fernsehnation spaltete, von 2006 bis Ende 2007 auf SF1 die Schweizer Version des Sat.1-Klassikers "Genial daneben" moderierte und eigentlich eher als ein Lautsprecher seiner Zunft gilt, einfach mal etwas Abwechslung vom Alltag gönnen wollte. Und sich dafür genau das aussuchte, was ihm am Abwegigsten erschien. Aber ganz so ist es wohl nicht. Vielleicht gibt es auch hier einen tieferen Sinn: "Angeln macht keinen Lärm. Beim Fischen sitzen zwei erwachsene Menschen zusammen an einem Ufer und warten geduldig darauf, dass etwas passiert. Und sie tun dies ganz ohne Stress. Angeln ist in neun von zehn Fällen absolut unspektakulär. Angeln hat etwas Meditatives."

Damit passt diese Sendung so gar nicht in die Zeit, in der, so Baumann, "alles immer noch hektischer und noch spektakulärer, obszöner und vordergründiger wird"

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