Die Leute wollen wissen, wie die Stars ticken, was sie denken, was sie antreibt ...
Waltz: Nein, das glaube ich eben nicht. Wie ein Schauspieler denkt, ist doch das Allerletzte, was die Leute wissen wollen. Die wollen etwas ganz anderes von einem Star wissen: Erstens: Mit wem schläft er? Und zweitens: Wie viel Kohle hat er? Das ist ein Voyeurismus, ohne jeden Respekt.
teleschau: Ist das nun Kritik an den Medien oder an der öffentlichen Haltung allgemein?
Waltz: Sagen wir es mal so: Die Medien richten mehr an, als sie schultern können. Denken Sie nur an das Stichwort Terrorismus. Die Medien machen ihre Kohle in erster Linie mit schlechten Nachrichten.
teleschau: Sie leben in London. Wie erlebten Sie die Anschläge auf die Londoner U-Bahn?
Waltz: Stellen Sie sich vor: Ich war damals mitten in London und hatte von den Anschlägen und auch von den Folgen nicht viel mitbekommen. Es war in der Stadt auch gar keine so große Hysterie zu spüren. Die Presse hat nur verzweifelt versucht, eine Hysterie anzufachen, und es ist ihr letztendlich auch gelungen.
teleschau: Schärft die Distanz den Blick für die deutschen Verhältnisse? Wo waren Sie etwa bei der Fußball-WM 2006?
Waltz: Da war ich in Berlin, wo ich sehr viel arbeite. Damals empfand ich das Land endlich mal so, wie es sein sollte: gut gelaunt, weltoffen, entspannt.
teleschau: Hat es mit der Distanz des Londoners zu tun, dass Sie so viel über Deutschland mäkeln?
Waltz: Nein. Überhaupt nicht. Ich tue das ab und an nur, weil ich denke, es ist die einzige Art und Weise, wie ich meinem Wunsch nach Veränderung Luft machen kann. Und vielleicht regt es ja den einen oder anderen Kollegen an, auch mal etwas zu sagen. Wenn wir uns alle nur auf den Rücken legen und sagen: "Das ist halt so", dann wird sich nichts tun.
teleschau: Dann lassen Sie uns noch ein bisschen weitermachen und über das deutsche Fernsehen reden. Schließen Sie sich dem Vorwurf der zunehmenden Verseichtung an?
Waltz: Absolut.
teleschau: Kriegt das Publikum, was es verdient?
Waltz: Nein, es verdient Besseres! Das Publikum ist nicht schuld an der Misere. Man könnte ihm höchstens vorwerfen, dass es nicht lautstark genug protestiert. Das ist genau wie bei uns Künstlern: Man muss sich nicht als Opfer irgendwelcher Umstände begreifen, sondern man kann etwas tun, zumindest kann man etwas sagen. Ein guter Schritt war die Gründung eines Verbandes der Film- und Fernsehschauspieler
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