Trotzdem: Können Sie sagen, was Sie an der Rolle des Ermittlers Peters reizte?
Waltz: Das ist ein so viel verzweigtes Überlegen, warum man eine Rolle annimmt oder nicht. Manchmal ist es nur eine Frage des Momentes, man hat gerade einen besonderen Zugang dazu, oder man möchte mit den Menschen, die noch beteiligt sind, gerne zusammenarbeiten. Ein anderer Aspekt ist das Geld: Man ist das ja von Beruf. Dazu kommen private, familiäre Dinge, manchmal wird man zu irgendetwas gedrängt. Die Antwort auf diese Frage wäre ohne eine sehr persönliche, weitreichende Analyse der Umstände kaum zu beantworten. Es kann so auf die Schnelle nur ein Klischee herauskommen. Über eine Figur aus einem Film zu reden, ist ein bisschen so, als würde man vom Essen reden. Sie können das beschreiben, aber was dabei herauskommt, sind Worte fürs Interview, mehr nicht.
teleschau: Es wird Ihnen zu viel über Filme und Rollen geschrieben und geredet?
Waltz: Ja. Es wird eindeutig zu viel gequasselt und zu wenig gesehen. Bis tief in die Kunstszene hinein drängt sich das Gequassel inzwischen in den Vordergrund. Wir Künstler sind, so nannte es Jim Rakete einmal, nur der Rohstofflieferant. Aber ich weigere mich, nur der Rohstofflieferant zu sein für Presse, Making Ofs und all das. Wenn Sie jetzt bedenken, dass es immer schlimmer wird, dann ahnen Sie, was für ein Problem ich habe.
teleschau: Die Schraube wird sich kaum zurückdrehen lassen ...
Waltz: Das nehme ich leider auch an. Obwohl, irgendwann gibt es bestimmt eine Umkehr. Nur, ich frage mich, ob ich das noch erlebe.
teleschau: Was lässt Sie an eine Umkehr glauben?
Waltz: Dass diese Maschinerie schon jetzt keinen Sinn mehr ergibt! Es wird in der Branche immer noch mit den Marketingmaximen der 80er- oder 90er-Jahre gearbeitet: Der Inhalt spielt absolut keine Rolle, es ist die Verpackung, die zählt, nur die! Es ist für einen ernsthaften Schauspieler, aber sicher auch für wirkliche Künstler aus ganz anderen Disziplinen, ein komplizierter Vorgang, wenn von einem verlangt wird, sich so zum Objekt zu machen.
teleschau: Wie genau meinen Sie das?
Waltz: Dass von einem im Interesse einer gesunden Existenz verlangt wird, die Arbeit von der Person zu trennen. Wenn ich das tue, wo bleibt dann der künstlerische Aspekt? Der geht völlig verloren.
teleschau: Glauben Sie denn nicht, dass in der Öffentlichkeit ganz einfach ein Interesse an den Schauspielern, an den Stars besteht? Ein Interesse, das über die bloße Vorführung eines Filmes hinausgeht?
Waltz: Ein Interesse, woran genau sollte das denn sein?
teleschau: An den Menschen hinter den Figuren im Film
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