teleschau: Also worum geht es Ihnen?
Waltz: Um die Anerkennung einer bestimmten Funktion in der Gemeinschaft. Daran fehlt es in Deutschland, meiner Meinung nach.
teleschau: Sie meinen, dass in Deutschland gerne versucht wird, den Star auf eine "normale" Ebene herunterzuziehen?
Waltz: Ja, wahrscheinlich ist es das. Aber sehen Sie, an der Frage gefällt mir schon das Wort "Star" nicht. Ich rede nicht über Stars und Starmechanismen, davon weiß ich nichts. Das sind Begriffe aus der Welt des Marketings, davon habe ich keine Ahnung.
teleschau: Auch wenn Sie das Wort nicht gerne hören: Bei "Das jüngste Gericht" kamen mit Ihnen und Tobias Moretti zwei ausgemachte Stars zusammen ... Sie kannten sich ja bereits von der Verfilmung der Oetker-Entführung!
Waltz: Ohne Moretti wären wohl meine Überlegungen zu diesem Projekt anderer Art gewesen. Die Tatsache, dass er die Hauptrolle spielt, ist für mich entscheidend. Ich mag ihn gerne.
teleschau: Wie ist das, wenn sich zwei große Charakterdarsteller, die in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus als schwierige Typen gehandelt werden, gegenüberstehen?
Waltz: Wir sind, glaube ich, ein wirklich gutes Paar. Weil wir sehr verschieden sind und trotzdem so viele Gemeinsamkeiten haben. Nicht zuletzt meine ich den Anspruch und den Ansatz, was die Ausübung unseres Berufes betrifft. Wir haben, abgesehen von der gegenseitigen Zuneigung, die ich jetzt einfach mal zu behaupten wage, etwas, das offenbar sehr selten ist: eine ehrliche, professionelle Anerkennung der jeweiligen Talente, Möglichkeiten und Verdienste des jeweils anderen. Das hilft uns, Differenzen zu überbrücken.
teleschau: Die es also auch gibt?
Waltz: Natürlich. Das ist der Reiz an der Sache. Aber die Differenzen sind von Sympathie und Respekt getragen, deswegen funktioniert es. Wir sind total verschiedene Typen. Trotzdem gibt es ein geistiges Einverständnis - allerbeste Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit an einem Film.
teleschau: Sie spielen einen Polizisten, der vom Ehrgeiz getrieben, zu vorschnellen Reaktionen und Schlüssen neigt. Ist das wieder eine Rolle mit Abgründen?
Waltz: Was meinen Sie?
teleschau: Sie sind nun einmal bekannt für eine gewisse Vorliebe für das Abgründige!
Waltz: Nun, ich liebe sie nicht, die Abgründe, ich schaue halt hinein (lacht). Andere schauen drüber weg. Das ist alles.
teleschau: Sie sagten einmal, die Funktion des Schauspielers ist eine Verkörperung, deshalb müssen Sie Ihre Rollen nicht erklären
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