Christoph Waltz: "Es wird eindeutig zu viel gequasselt"
(tsch) Bevor es Christoph Waltz zu geschwätzig wird, sagt er lieber gar nichts. Oder man erntet auf eine in seinen Augen belanglose Frage allenfalls ein provozierendes: "Und jetzt?" Waltz, ohne Frage einer der besten und markantesten deutschsprachigen Schauspieler, mag kaum etwas weniger als den Small Talk und ist dennoch ein sehr angenehmer Gesprächspartner: Höflich, herausfordernd und hellwach nimmt er die Unterhaltung an. Kein Lacher zu viel, kein Scherz am Rande, kein Abschweifen vom Thema. Es werde viel zu viel gequasselt, beschwert er sich im Interview über den Umgang der Deutschen mit ihren Künstlern. Klartext ist angesagt: Beim Gespräch in einem Straßencafé in seiner Heimatstadt Wien kommt der 51-Jährige mit dem berüchtigten mephistophelischen Grinsen schnell in Fahrt, wenn er über das mittelmäßige Niveau in Deutschland klagt. Dabei ist sein neuer Film, der düstere RTL-Thriller "Das jüngste Gericht" (So., 13.04.; Mo., 14.04., 20.15 Uhr), alles andere als mittelmäßig ...
teleschau: Herr Waltz, die Dreharbeiten für "Das jüngste Gericht" führten Sie in Ihre Heimatstadt Wien. Über zwei Monate lebten und arbeiteten Sie in Ihrer Heimat. Ein Traum, oder?
Christoph Wa

ltz: Ach, ich arbeite da, wo man mich lässt. Aber wenn es in Wien ist, dann ist es mir schon besonders recht. Auch weil ich die Arbeit angenehmer finde als in Deutschland. Die Teams sind besser, die Mitarbeiter höflicher, aufmerksamer. Etwas verallgemeinernd: Der Umgang hier - und zwar in alle Richtungen - ist ein respektvollerer. Und auf so etwas lege ich Wert.
teleschau: Sie vermissen Respekt und Höflichkeit in Deutschland?
Waltz: In der Tat. Der Umgang ist mir in Deutschland oft zu direkt. Das Niveau ist sowieso nicht so besonders - das ist natürlich eine Verallgemeinerung, natürlich gibt es viele Ausnahmen. Im Großen und Ganzen ist mir die Aufmerksamkeit, der Respekt der Menschen untereinander in Österreich lieber. Der Umgang ist sachlicher, weil es um den Film, um die

Arbeit geht. Andererseits höflicher, wenn man überdies Zeit miteinander verbringt.
teleschau: Sie haben Deutschland schon einmal eine "Durchschnittskultur" attestiert ...
Waltz: Weil ich es eben so beobachte. Mir gibt es hier zu viel Durchschnitt, oder Konsens, wenn Sie so wollen. Und deshalb steht das Mittelmaß im Vordergrund.
teleschau: Wie ist das für Sie, wenn Sie, ob nun in Österreich oder aber auch in Deutschland, als prominenter Schauspieler im Alltag erkannt werden?
Waltz: Auch da gibt es Unterschiede. Diese Bewunderung für Schauspieler oder für Künstler, die es in Österreich, und speziell in Wien, gibt, ist eine respektvolle - nicht die blöde Promi-Nummer. Andererseits kommt sie aus einem Verständnis heraus, dass ein Künstler für die Gesellschaft eine

gewisse Rolle spielt.
teleschau: Empfinden Sie das denn in Deutschland anders?
Waltz: Durchaus. Da begegnet mir öfters eine gewisse "Was wollen denn Sie?"-Attitüde oder dieses: "Glauben Sie ja nicht, Sie sind besser". Was völlig kindisch ist. Kein Schauspieler glaubt, er sei etwas Besseres. Ich kenne keinen.
teleschau: Aber es ist auch kein großes Problem, sich dieser, wie Sie sagen, "blöden Promi-Nummer" in Deutschland zu entziehen ...
Waltz: Ja, das geht. Überall. Na ja, vielleicht nicht in München, da ist eh alles anders (lacht). In Berlin ist das gottlob alles noch nicht so extrem. Aber ich spüre dort auch den Ansatz: "Glaub ja nicht, du könntest hier gewisse Privilegien in Anspruch nehmen!" Es geht doch nicht um Privilegien
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