"Alt werden im Rock'n'Roll scheint mir zu stehen": Nach dem Tod seines kongenialen "Go-Betweens"-Partners Grant McLennan macht Robert Forster alleine

(tsch) Am 6. Mai 2006 starb Robert Forsters Partner und Freund Grant McLennan. Ein völlig überraschender Tod, Herzinfarkt im Alter von 48 Jahren während der Vorbereitung einer Hausparty, daheim im australischen Brisbane. Fast 30 Jahre lang waren Forster und McLennan The Go-Betweens - für viele Popkritiker und Musikfans eines der besten Songwriter-Teams der Musikgeschichte. Zwei Jahre später veröffentlicht Robert Forster nun ein Soloalbum, allerdings mit letzten Spuren von Grant McLennan, der an drei Songs beteiligt war. Im Gespräch zieht der 50-jährige Songwriter Bilanz: Was bleibt von Grant McLennan und den Go-Betweens? Und: Wie macht man alleine weiter?

teleschau: Es heißt, nach dem Tod Ihres Partners Grant McLennan wären Sie sich nicht sicher gewesen, ob Sie jemals wieder ein Album aufnehmen würden...

Robert Forster: Diese Meldung ist erfunden. Ich wusste immer, dass ich ein neues Album machen würde. Als Grant starb, hatten sowohl ich als auch Grant neue Songs in Arbeit. Ich musste nur erst mal über den Schock hinwegkommen, dass Grant nicht mehr da war. Ich musste wieder zu mir kommen und das Projekt eines neuen Albums langsam angehen.

teleschau: Wie wäre es weitergegangen, wenn Grant noch am Leben wäre - die Go-Betweens hätten immer weiter Alben produziert?

Forster: So war der Plan. Wir hätten zumindest eine Reihe weiterer Platten aufgenommen. Wir hatten auch schon gemeinsam an Songs für das neue Album gearbeitet.

teleschau: Drei Songs auf Ihrem nunmehr Soloalbum sind noch von Forster/McLennan gemeinsam geschrieben. Man hätte das Ganze doch auch "Go-Betweens" nennen können ...

Forster: Nein, nein. Mit dem Tod von Grant sind die Go-Betweens Geschichte.

teleschau: Man hätte den Namen ein letztes Mal verwenden können, als eine Art Abschiedsgeschenk ...

Forster: Da habe ich noch nicht mal drüber nachgedacht. Wenn Grant auf dem Album nicht singt und spielt, kann es kein Go-Betweens-Album sein.

teleschau: Was war das Konzept von "The Evangelist"?

Forster: Der Sound sollte vor allem natürlich klingen, nach natürlichen Instrumenten. Zudem wollte ich wieder in London arbeiten, mit Mark Wallis, der auch das letzte Go-Betweens-Album aufnahm und diesen Sound versteht. Außerdem sollten die Go-Betweens-Musiker Glenn Thompson am Schlagzeug und Adele Pickvance am Bass wieder mit dabei sein.

teleschau: Das sind eine Menge Ähnlichkeiten zum letzten Go-Betweens-Album. War da ein Wunsch nach Kontinuität? Man hätte ja nach dem Tod von Grant auch sagen können: Alles neu!

Forster: Das hätte so sein können. Dann hätte ich dieses Album vielleicht in der Wüste oder im Strandhaus aufgenommen. Aber ich hatte Lust auf London. Der Sound ist trotzdem durchaus anders als bei "Oceans Apart". Es gibt nur auf fünf Liedern Schlagzeug, dazu arbeite ich mit Streichern, und es gibt viel mehr Keyboard-Sounds. All das unterscheidet "The Evangelist" von "Oceans Apart".

teleschau: Sie haben schon eine Solokarriere hinter sich. Das war in den Neunzigern, als sich die Go-Betweens für zehn Jahre aufgelöst hatten. Fühlt es sich heute anders an, alleine Musik zu machen?

Forster: Ja und nein

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